Kultur : Kind vom Niederrhein

Nicola Kuhn hat Verständnis für die Streitereien um das Beuys-Erbe

Das ist der Schreck eines jeden Museums, dessen Ruf auf dem Werk eines einzelnen Künstlers basiert: Die Nachfahren ziehen das Erbe wieder ab. Auf Schloss Moyland, dem Beuys-Walhall im niederrheinischen Bedburg-Hau, liegen die Dinge etwas komplizierter. Die Witwe Eva Beuys verlangt gemeinsam mit ihren beiden Kindern neben zahlreichen Werken das dort aufbewahrte Archiv mit zehntausenden Dokumenten zurück. In einem 14-seitigen Anwaltsschreiben wirft sie dem Haus dilettantische Arbeit vor, durch die der Ruf des Künstlers nicht nur in seinem Heimatland, „sondern weltweit nachhaltig“ geschädigt werde. Das sitzt, denn das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Museum hat in den letzten Jahren eher durch Vakanzen in der Direktion als durch Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht. Auch zum 20. Todestag des Künstlers vor drei Jahren rührte es sich nicht. Verletzungen des Urheberrechts und falsche Werktitel bei Ausstellungen führten zu weiterem Verdruss.

Nun genießt aber auch Eva Beuys in der Museumsszene einen heiklen Ruf; kaum ein Ausstellungsmacher, der nicht fürchtet, dass in letzter Sekunde vor Eröffnung ein Veto von der Witwe kommt. Vor Jahren stritt sie gerichtlich um einen Anteil am Gewinn in London versteigerter Beuys-Werke; erst jüngst versagte sie der in Berlin lebenden Videokünstlerin Tacita Dean das Filmen des Beuys-Blocks im Darmstädter Museum. Der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff erklärte nun gelassen, dass man das Ansinnen der Erben erst einmal „nüchtern juristisch prüfen“ werde. Aber gerade darin liegt das Problem: Nüchtern geht gar nichts bei Familienangelegenheiten. Schließlich ist „dä Jupp“ ein Kind der Region und vom Niederrhein adoptiert. Eben drum, so die Witwe und nennt Moyland „Heimatmuseum“. Beuys hätte vielleicht gerade das gefallen.

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