Kinderbücher : Das Glück trägt Streifen

Unterwegs nach Panama: Kinderbuchautor Janosch wird 80. Seine bekanntesten Figuren sind der Bär und der kleine Tiger mit seiner Tigerente. Letzteres wurde zu seinem Markenzeichen.

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Floßfahrt mit Maskottchen. Der kleine Bär und der kleine Tiger suchen das Land, das nach Bananen duftet. Foto: Beltz Verlag
Floßfahrt mit Maskottchen. Der kleine Bär und der kleine Tiger suchen das Land, das nach Bananen duftet. Foto: Beltz Verlag

Den Namen kann man sich auf der Zunge zergehen lassen, jede Silbe ein Versprechen: Pa-na-ma. Dort ist alles viel größer, dort riecht es von oben bis unten nach Bananen. „Panama“ stand auf der Bananenkiste, die der kleine Bär aus dem Fluss fischte. Panama musste das Land ihrer Träume sein, deshalb machten der kleine Bär und der kleine Tiger sich auf die Reise. Über Stock und Stein, durch Sturm und Regen. Zum Glück hatten sie einen Kochtopf dabei, zum Glück fanden sie Pilze, sonst wären sie verhungert. Sie fragten die Maus, eine Kuh, den alten Fuchs nach dem Weg. Das hätten sie besser nicht getan, denn die Auskünfte waren falsch: nach links. Wer immer nach links geht, kommt dahin zurück, wo er aufgebrochen ist. Am Ende sind Bär und Tiger wieder in ihrem alten Haus, das sie aber nicht erkennen. Jetzt ist es das schönste Haus der Welt.

Man muss das Glück lange suchen, finden wird man es dort, wo man es zuallerletzt vermutet hätte. Mit seiner märchenhaften Glückssucher-Geschichte „Oh, wie schön ist Panama“ ist Janosch 1978 der Durchbruch auf dem Buchmarkt geglückt. Aber da hatte er bereits eine lange Zeichnerkarriere hinter sich, sein erstes Kinderbuch „Die Geschichte vom Pferd Valek“ war 1960 erschienen. Das Honorar: kümmerlich. „Bis in die Achtziger musste ich unheimlich viel arbeiten“, hat Janosch in einem Interview gesagt. „Ich musste zehn Bücher pro Jahr machen, um mich zu ernähren.“

Foto: Mark Keppler/dapd
Foto: Mark Keppler/dapdFoto: dapd

Den Namen Janosch hat er von seinem Verleger bekommen. Eigentlich heißt er Horst Eckert, geboren wurde der erfolgreichste deutsche Kinderbuchautor heute vor achtzig Jahren, am 11. März 1931, in der oberschlesischen Stadt Hindenburg, heute Zabzre. „Meine Kindheit war ganz normal“, sagt er. „Ich wurde verprügelt wie alle anderen auch.“ Der Vater war Trinker und in der SA, die Mutter wollte den Sohn nicht beschützen. „Bücher sollten ein kaputtes Leben reparieren können“, fordert Janosch, der als „Kesselflicker der Literatur“ auch Romane für Erwachsene und Theaterstücke geschrieben hat.

Der kleine Bär und der kleine Tiger, seine bekanntesten Figuren, sind Freunde, die wie ein Ehepaar zusammenleben. Der Bär organisiert den Alltag, macht den Tiger wieder gesund, wenn er krank ist, kocht für ihn. „Möchten Sie den Fisch lieber mit Salz und Pfeffer, Herr Tiger, oder besser mit Zitrone und Zwiebel?“, fragt er. Und der Tiger antwortet: „Alles zusammen, und zwar die größte Portion.“ Die klassische Rollenverteilung brachte Janosch den Vorwurf ein, ein Reaktionär und Frauenfeind zu sein. Er konterte mit den „Papa Bär“-Geschichten, wo der Vater putzt und aufräumt. 300 Bücher in 40 Sprachen hat Janosch veröffentlicht, Gesamtauflage: zwölf Millionen Exemplare.

Janosch ist ein großer Fabulierer, der es mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt. Die Tigerente, sein in Form von Fahrrädern, Brillen und Zahnbürsten zu Tode kommerzialisiertes Markenzeichen, habe er vom Zeichnerkollegen F. K. Waechter geklaut, so behauptete er. Das war geflunkert. Das schwarzgelb gestreifte Maskottchen hat er ganz allein zu verantworten, da mag sich der Zeichner, der die Konsumgesellschaft verachtet, seit mehr als dreißig Jahren auf Teneriffa lebt und sich dort am liebsten in der Hängematte aufhält, noch so winden. „Scheiß Tigerente! Kitsch!“, hat er in der „Süddeutschen Zeitung“ gewettert.

Jüngstes Produkt vom Tigerenten-Fließband ist der Trickfilm „Die Tigerentenbande“, seit gestern in den deutschen Kinos. Schulversager Hannes Strohkopp muss es mit der Gringos-Bande aufnehmen und soll in einer Mutprobe dem Mäuse-Sheriff Browning ein Barthaar ausreißen. Der episodische Film ist ein zweiter Aufguss der gleichnamigen Fernsehserie aus dem Kinderkanal und spart nicht mit zeigefingernden Merksätzen wie „Du musst dich entscheiden, ob du der sein willst, der du bist oder der, der du zu sein glaubst“.

Besser also: Janosch lesen. Der Sammelband zum 80. Geburtstag, „Janoschs tierische Parade“ (Beltz, 208 S., 14,95 €) verspricht: „Wer das hier gelesen hat, braucht sich vor nichts mehr zu fürchten!“

„Die Tigerentenbande“ läuft in 10 Berliner Kinos.

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