Kinderbücher : Millie-Manie: Kinder gehen auf Städtereise

Das Kind von Welt macht heutzutage Städtereisen, natürlich bei den Eltern an der Hand. Oder es hat entsprechende Reiseliteratur zuhause stehen - mit der kleinen Millie.

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Unter Josefines Klassenkameradinnen ist eine regelrechte Millie-Manie ausgebrochen, denn die kleine Globetrotterin reist mit Mama, Papa und Geschwisterchen mal nach Istanbul, mal nach New York. In Moskau ist die Weltenbummlerin natürlich längst gewesen, wenn auch nur zwischen zwei Buchdeckeln. Mit Hilfe von Millie hat sich Josefine bereits in Paris umgetan und schmiedet Reisepläne, das Besichtigungsprogramm steht schon fest.

Den umgekehrten Weg könnte Josefine nun mit Amsterdam gehen: Dazu existiert noch kein Millie-Buch. Gemeinsam mit Zwillingsbruder Jan könnte sie nach unserem Besuch manchen Tipp abgeben, nicht zuletzt, was zu meiden ist. Zum Beispiel den innersten Altstadtbezirk, das Rotlichtmilieu, zumindest am Spätnachmittag. Als Eltern kamen wir gewaltig in Erklärungsnöte, wieso die leicht bekleideten Damen da in den Fenstern stehen. Was Prostitution ist, hätten wir den beiden Neunjährigen gerne weniger drastisch dargelegt. So viele Schwäne konnten gar nicht in den Grachten schwimmen, um sie von anderen Natur-Offenbarungen abzulenken.

Doch Jan und Josefine sind hart im Nehmen. Einen Schauder anderer Art sollten sie im Anne-Frank-Haus erleben. So klein die Zimmer, in denen sich die Familie zwei Jahre lang versteckte, so tragisch das Ende wenige Wochen vor Befreiung der Konzentrationslager. Doch das Nebeneinander von Geschichte und Gegenwart, Verbrechen und derbem Vergnügen gehört zur Großstadt, das wissen sie als Berliner Kinder längst. Am besten werden Jan und Josefine vermutlich Vondel in Erinnerung behalten, die taube Katze, die sie bei unseren Gastgebern füttern, streicheln durften. Und trotzdem dürften Amsterdams Huren und die Geschichte eines tapferen Mädchens unvergessen bleiben.

Die Tourismusbehörde Amsterdam stellt prima Kinderprogramme zusammen. Natürlich gibt es auch „Millie in Berlin“ (Cecilie Dressler Verlag), 12 €.

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