Kings of Leon : Teufelspakt: Neues Album der Kings of Leon

Kings of Leon und ihr Album „Mechanical Bull“: Ein Treffen mit Caleb und Nathan Followill, Sänger und Drummer der derzeit größten Rockband der Welt.

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Familienbande. Kings of Leon.
Familienbande. Kings of Leon.Foto: Sony

Gleich drei Bodyguards bewachen das Zimmer, in dem die Interviews mit den Kings of Leon in Berlin stattfinden. Vielleicht muss das so sein, denn die Band aus Nashville ist inzwischen eine der größten des Planeten. Sie hat weltweit zwölf Millionen Tonträger verkauft, ihr letztes Album ging in Deutschland, England, ach, eigentlich fast überall an die Spitze der Charts. Die Gesprächspartner Nathan und Caleb Followill, der Drummer und der Sänger, haben Fürsorge verdient. Vielleicht sind die schrankgroßen Jungs vor der Tür aber auch dazu da, bei Streitereien einzugreifen, zuletzt gab es einige Gerüchte über Zoff in der Band. Oder um Caleb Followill vom Griff zur Flasche abzuhalten. Der Sänger soll in der letzten Zeit ziemlich dem Alkohol zugetan gewesen sein, sogar auf der Bühne stand er einmal völlig betrunken.

Aber dann sitzen einem doch eher freundliche und zurückhaltende Indiejungs gegenüber, die einem glaubhaft das Gefühl vermitteln, nichts würde ihnen gerade mehr Freude bereiten, als sich mit einer deutschen Tageszeitung über ihr neues Album zu unterhalten. Zwistigkeiten? Überbewertet, sagen sie.

Die Kings of Leon bestehen aus drei Brüdern und einem Cousin, sie sind eine Familienband, und unter Brüdern kriege man sich schon mal in die Haare. Wenn man sich ein paar Tage später wiedertreffe – so versichern beide – sei schon wieder vergessen, warum man sich überhaupt gezankt habe. Brüder, sagen sie, raufen sich irgendwann schon wieder zusammen.

Und Calebs Trinkerei, die sogar in dem vor zwei Jahren entstandenen Dokumentarfilm „Talihina Sky“ behandelt wurde? Er stand unter Druck, sagt der Sänger heute. Die Band wurde im Laufe der Jahre immer größer und größer, das habe gehörig für Erfolgsdruck gesorgt, der nach ein paar Gläsern nicht mehr ganz so schwer wirkte. Aber jetzt, sagt Caleb, habe er die Sache wieder im Griff.

Der Zoff, der Alkohol und die Drogen machen die verrückte Geschichte der Kings of Leon eigentlich erst so richtig rund. Die Geschichte handelt von drei Brüdern, deren Vater als Wanderprediger durch die Südstaaten der USA zog und die Söhne schon auf dem richtigen Weg des Glaubens wähnte. Doch die drei Brüder erlagen den Verlockungen des Teufels Rock ’n’ Roll, zogen nach Nashville und gründeten eine Rockband, die wahnsinnig erfolgreich wurde. Und zu echten, wahnsinnig erfolgreichen Rockbands wie etwa den Rolling Stones, mit denen die Kings of Leon gelegentlich verglichen werden, gehören eben Abstürze und Exzesse. Auch wenn man an Jesus Christus glaubt. Und dass Caleb das immer noch tut, daran lässt das silberne Kreuz an einer Kette, das vor seiner Brust baumelt, keinen Zweifel.

Allerdings hört man „Mechanical Bull“, dem inzwischen sechsten Album der Band, durchaus an, dass sich das Quartett zuletzt in einer Neuorientierungsphase befunden hat. Die Direktheit früherer Platten vermisst man ein wenig, einen fiebrigen Hit wie „Sex on Fire“ ebenfalls. Begonnen hatten die Kings of Leon um die Jahrtausendwende, erfolgreich wurden sie in der Hochphase der Strokes und der White Stripes. Sie waren eine unter vielen jungen Garagenrockbands, die aber nicht wie all die anderen aus New York kamen, sondern aus dem Süden der USA. Und sie kombinierten geschickt den damals so angesagten, von Grunge beeinflussten Indiesound mit Südstaatenrock, sie trugen Bärte und lange Haare, aber nicht, weil sie Hipster aus Brooklyn waren, sondern Südstaatenrocker, die ihre Cowboystiefel nur zum Schlafen auszogen.

Nashville ist das neue Brooklyn

Wie die Strokes wurden auch die Kings of Leon in Europa und vor allem in England von Beginn an mehr geliebt als in ihrer Heimat. In England, dem Heimatland des Glamrock und der Pet Shop Boys, schätzt man besonders ungekünstelt und authentisch wirkende US-Bands umso mehr. Aber der Hype um all die Garagenrockbands ist inzwischen vorbei. Für die Strokes interessiert sich kaum noch jemand, die White Stripes haben sich aufgelöst, und Jack White lebt nun, wie die Kings of Leon, in Nashville.

Überhaupt Nashville. Die Stadt ist nicht mehr nur die Hauptstadt des Country, sondern, so Nathan Followill, aktuell die US-Hipsterstadt schlechthin, „hipper als Brooklyn“, sagt er. Immer mehr junge Bands würden hier gegründet und wie vor kurzem noch in Brooklyn, sei hier jeder Burgerverkäufer auch noch Musiker in irgendeiner Band. Die Kings of Leon sind längst keine Außenseiter mehr, sondern Veteranen aus einer Stadt, die schon als das neue Seattle gehandelt wird. Und danach klingt auch „Mechanical Bull“.

Man hört hier nicht die Platte einer Band, die sich eigenbrötlerisch der Tradition des Südstaatenrocks verpflichtet fühlt, den Allmann Brothers und Konsorten. Sondern eine, die trotz der immer noch unüberhörbaren Nähe zum Grunge und vor allem zu Pearl Jam, heutig klingen möchte. Man habe während der Entstehung von „Mechanical Bull“ viel aktuelle Indiemusik gehört, sagt Nathan Followill. Tame Impala, Grizzly Bear, Foxygen, typische Hipster-Bands. Es muss aber auch Coldplay darunter gewesen sein, denn deren Hang zum Schmuseweichen dringt bei „Mechanical Bull“ arg durch.

Vielleicht ist das der Erfolgsdruck, von dem Caleb Followill geredet hat, der dazu geführt hat, dass die neue Platte etwas zu sehr nach dem Einsatz im Formatradio bettelt. Die Kings of Leon haben ganz offensichtlich ihre Dämonen besiegt. Leider hört man das ihrer Platte an.

„Mechanical Bull“ von den Kings of Leon erscheint am 20.9. bei Sony

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