Kino : Viererbande

Erotisches Roadmovie: „Plein Sud“ aus Frankreich

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Wenn es einen Preis für den besten Sekundenauftritt gäbe, dann hätte Nicole Garcia ihn verdient. Sie spielt eine Frau, die sich mit ihrem Ehemann streitet. Das Paar sitzt im Auto, die Kamera bleibt draußen, man versteht kein Wort. Dennoch gelingt es Garcia, ihrer hysterischen Figur in nur einem Augenblick klare Konturen zu verleihen. Viel Zeit bleibt ihr nicht, denn der Ehemann hält plötzlich einen Revolver an seine Schläfe und drückt ab. Ende der Rückblende – der kleine Junge, der alles mit ansah, ist inzwischen erwachsen.

Als Sam (Yannick Renier) erfährt, dass seine Mutter aus der Psychiatrie entlassen wurde, reißt die Wunde wieder auf. Mit der Tatwaffe von damals macht er sich auf den Weg zu ihr, wobei Regisseur Sébastien Lifshitz die düstere Vergangenheit mit einer sonnigen Gegenwart konfrontiert. Zu dem verschlossenen Sam, der die französische Atlantikküste entlangfährt, gesellen sich drei junge Anhalter: Léa (Léa Seydoux) und Mathieu (Theo Frilet) sind Geschwister, beide begehren Sam. Léa tröstet sich bald mit dem unverkrampft heterosexuellen Jérémie (Pierre Perrier), während Mathieu weiter auf Sam hofft. Alle vier Darsteller sind attraktiv und begabt, aber Lifshitz interessiert nur die schöne Fassade. Like ice in the sunshine. In diesem Paradies fällt Léa die Rolle der Schlange zu. Nicht nur stellt sie ihre sexuellen Wünsche aggressiv aus, sie fuchtelt auch mit dem Revolver herum, bestiehlt Jérémie – und stiehlt den drei Männern die Show. Ein Softsexfilm? Lifshitz, Jahrgang 1968, wollte höher hinaus. Aber dazu fehlt ihm das Format. Frank Noack

Central, fsk und Xenon (alle OmU)

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