3D-Animationsfilm : Der große Schokoeisregen

Ein Film über die Gier, das passt in Zeiten der Weltfinanzkrise. "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" erzählt davon, was passiert, wenn der Wunsch nach immer mehr das System zum Kollabieren bringt.

Katharina Zeckau
Fleischbaellchen
Gutes Gespann. Flint Lockwood und die Journalistin Sam. -Foto: Sony

Der Animationsfilm aus dem Hause Sony adaptiert das Kinderbuch „Cloudy with a chance of meatballs“ von Judi und Ron Barrett (1978): Letztlich denken Buch wie Film so schlicht wie konsequent eine Redensart zu Ende – jene von den Augen, die mal wieder größer als der Magen waren.

Flint Lockwood, aufstrebender Erfinder auf der kleinen Insel Affenfels irgendwo im atlantischen Ozean, ist kreativ – blöd nur, dass seine Erfindungen überhaupt keinen praktischen Nutzen haben: Sprühschuhe, die sich nicht ausziehen lassen, hässliche Rattenvögel oder auch Fernsehgeräte, die ihren Besitzern davonlaufen. Dabei könnte die wirtschaftlich daniederliegende Insel, auf der Sardinen in allen Varianten das einzige Lebensmittel darstellen, neue Impulse dringend gebrauchen.

Flints großer Tag scheint gekommen, als er eine Maschine entwickelt, die Wasser in Essen verwandelt. Da er seine Erfindung versehentlich in die Atmosphäre gejagt hat, regnet es fortan Cheeseburger, schneit es Schokoladeneis, und saftige Steaks donnern nur so vom Himmel. Der Außenseiter Flint avanciert zum gefragten Mann, bei dem die ganze Stadt ihre Menüwünsche aufgibt – dass seine Apparatur unter dem Ansturm zu überhitzen droht, ignoriert der erfolgsselige Erfinder zunächst. Der korrupte Bürgermeister Shelbourne aber wittert das große Geschäft: Das „Futterwetter“ soll Affenfels zum Touristenmagneten machen.

Klar, dass sich Flint entscheiden muss zwischen schnellem Ruhm und echter Verantwortung: Um seine Heimat vor mutierten Riesen-Hot-Dogs zu retten, bricht er mit TV-Wetterfee Sam zu einer dramatischen Mission mitten ins Auge eines Lebensmittelsturms auf. Nicht nur diese Actionsequenz bietet eine Steilvorlage für den Einsatz der 3-D-Technik; die ständig vom Himmel fallenden Esswaren finden in der dreidimensionalen Ebene gewissermaßen ihre natürliche filmische Form. Sicher wären ein paar spektakuläre Effekte weniger mehr gewesen. Aber zum Glück kommen in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ auch die klassischen erzählerischen Tugenden zu ihrem Recht, etwa in Form witziger Dialoge. Und schön entwickelt sind gerade die Nebenfiguren, so Flints grüblerischer Vater, der seine Gefühle stets in verrätselte Fischereimetaphern packt, oder der tumbe „Baby“-Brent, die in die Jahre gekommene Werbefigur der örtlichen Sardinenfabrik.

An die emotionale Tiefe des großen Konkurrenten Pixar, herzzereißende Figuren wie den einsamen Roboter „Wall-E“ oder den knurrigen Carl Fredricksen aus „Up“, reichen Geschichte und Protagonisten freilich nie heran. Dazu setzt der Film, nach „Jagdfieber“ und „Könige der Wellen“ der bislang mit Abstand gelungenste Sony-Animationsfilm, zu sehr auf die visuelle Überwältigung und den schnellen Zuspruch der jüngeren Zuschauer. Die Formel für den perfekten computergenerierten Animationsfilm gehört fürs erste zu den Firmengeheimnissen der Disney-Tochter Pixar. Doch legt die anarchische Lebensmittelkanonade zumindest nahe: Das könnte sich in nicht allzu ferner Zukunft durchaus ändern.

In 24 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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