CITY Lights : Mit Hund zum Reh

Bis zum November sind es noch ein paar Tage. Dennoch hat neben Staatsgründungs-Gedenken und Grundgesetz auch der filmische Erinnerungsmarathon zum Mauerfall längst begonnen. Silvia Hallensleben reist von Anklam in den Wedding

Silvia Hallensleben

Markante Station ist das heute im DHM eröffnete Geschichtsforum 1989|2009, wo in einem insgesamt sehr bunt zusammengewürfelten Programm die von Thomas Beutelschmidt, Jörg Frieß und Manuel Köppen für das Zeughaus-Kino kuratierte Filmreihe die notwendige inhaltliche Verdichtung liefert. Zur Illustration der Frage, wie der ostdeutsche Film damals die Umbrüche reflektierte, werden neben den üblichen Verdächtigen auch rare filmische Zeitzeugen wie Helke Misselwitz’ Punkerporträt Sperrmüll oder Herwig Kippings Das Land hinter dem Regenbogen (beide am Samstag) präsentiert. Aus der provinziellen Distanz nähert sich Andreas Dresens Debütfilm Stilles Land den Ereignissen (ebenfalls Samstag), eine ebenso stimmungsvolle wie pointierte Reflektion, die einen Jungregisseur auf die in Zynismus und Alkohol getränkte Truppe des Anklamer Theaters prallen lässt. Inszeniert wird „Warten auf Godot“. Zwischen Radiofetzen aus West und Ost, abwandernden Technikern, Aufmüpfigkeit und Opportunismus muss der Nachwuchsintellektuelle auch Bühnenbild und Regiekonzept fast täglich den aktuellen Geschehnissen nacharbeiten.

Eher kulturhistorisch als cineastisch bedeutsam ist eine Premiere, die morgen im Norden Berlins stattfindet. Slumdog Millionär kann man in vielen Kinos der Stadt sehen. Die Wiedereröffnung einer Freilichtbühne aus langem Dornröschenschlummer dagegen ist singulär. Als „schönste Freilichtbühne Berlins“ wurde das 1936 im Wedding eröffnete Theater Rehberge in den 1970ern gefeiert, als dort noch regelmäßig Musiktheater zur Vorstellung kam. Nach einem Jahrzehnt der Auszeit hat Veranstalter Bernd Motschmann das Gelände für den üblichen symbolischen Euro erworben und aus einem Fast-Dschungel in eine zivilisierte Bühnenlandschaft zurückverwandelt. Nachmittags gibt es Kindertheater, abends mit den bewährten Betreibern der Freiluftbühnen Kreuzberg und Friedrichshain Kino. Das entzückende Logo mit Bambi und Fernsehturmsilhouette symbolisiert die perfekte Symbiose von Urbanität und Natur.

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