CITY Lights : Wasserspiele und Tischflammenwerfer

Silvia Hallensleben amüsiert sich unter freiem Himmel. Die Grundregel des Komödiengenusses ist einfach. Gucke nie ohne die Begleitung von mindestens zwei begeisterungsfähigen Zuschauern – und achte darauf, dass der Filmkritiker-Gruppenanteil nie über 30 Prozent liegt.

Silvia Hallensleben

In diesem Sinne wurde unlängst mit Woody Allens „Love and Death“ die Saison-Eröffnung des wohl urbansten Freiluftkinos Berlins im zweiten Hinterhof des Hauses Schwarzenberg angepriesen. Jetzt gibt es am gleichen Ort einen weiteren Klassiker, der selbst totale Couch-Potatoes zum Ortswechsel an den Hackeschen Markt animieren sollte. Denn Peter Sellers’ Slapstickereien in Blake Edwards’ The Party (OmU am Montag im Freiluftkino Mitte) sind so kunstvoll retardiert, dass sie erst durch die Resonanz eines kichernden Publikums richtig ins Schwingen geraten. Dabei vereint die schlichte Story um eine reichlich schlingernde Hollywood-Party viel – auch körperliche – Improvisation mit einem ausgeklügelten Set-Design, das die Neureichen-Villa aus Tatis „Mon Oncle“ mit Wasserspielen und Tischflammenwerfer zur Beverly-Hills-Variante ausbaut. Vielleicht kein Zufall, dass Held Hrundi V. Bakshi ausgerechnet mit einer Französin (Claudine Longet) in amouröses Geplänkel kommt. Die Verkörperung des peinlich devoten indischen Statisten durch den britischen Darsteller war 1968 ein anachronistischer Gag, der die auf dunkel geschminkten Farbigen früherer Filmgeschichte zitiert und nebenbei die rassistischen Stereotype der Hollywood Crowd demaskiert.

Als F. W. Murnau im Vorspann zu Tabu – A Story of the South Seas (1931) ankündigte, dass alle Mitwirkenden wirklich eingeborene Südseeinsulaner seien, war solch Rollennaturalismus noch eine Novität, die an Dokumentardramen wie Robert Flahertys „Nanook“ oder „Moana“ anknüpfte. Auch bei „Tabu“ hatte Flaherty Ko-Regie geführt, doch die Konzepte der beiden Regisseure waren so unterschiedlich, dass man sich trennte und Flaherty in den Credits nur noch als Kameramann genannt wird. Und im Film auf einem Namensschild herbeiassoziiert: „Moana“ heißt das Schiff, das mit dem greisen Gesandten Hitu das Gesetz nach Bora-Bora bringt und damit Unheil und Tod. Murnaus Drama um den Verlust des Paradieses nutzt die ozeanischen Originalschauplätze um die Insel Nuku Hiva als – mal idyllischen, mal bedrohlichen – Rahmen für neckisch-pubertäre Wasserschlachten und unheildräuende Ritualfeiern: Ohne Frage passt der Film perfekt zum Rahmen der „Wassermusik“ am Spreeufer im Haus der Kulturen der Welt (Freitag). Leider ist die illustrative Musik von Hugo Riesenfeld mit Zitaten etwa aus Smetanas „Moldau“ das einzig Abgeschmackte an diesem Film, Murnaus letztem, bevor er bei einem Autounfall in Kalifornien ums Leben kam.

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