''Das Beste kommt zum Schluss'' : Zwei für ein Halleluja

Die Schauspiel-Legenden Jack Nicholson und Morgan Freeman spielen zwei Todkranke, die auf ihre letzte Tage noch einmal durch die Welt jetten - auf der Suche nach dem großen Glück.

Julian Hanich
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Auf der Suche nach dem Glück: Milliardär Edward Cole (Jack Nicholson) und Mechaniker Carter Chambers (Morgan Freeman). -Foto: Warner

Zwei Männer begegnen sich im Krankenhaus: alt, todkrank, und unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der eine ist ein gutmütiger Familienmensch mit dunkler Haut, graumeliertem Haar und dem warmherzigsten Lächeln des Universums. Er wird konsequenterweise von Morgan Freeman gespielt, dem Kofi Annan des Hollywood-Kinos. Der andere ist ein weißer, steinreicher Bonvivant mit Tendenz zum knorrigen Mistkerl. Mit ebenso großer Folgerichtigkeit wird die Rolle von Jack Nicholson verkörpert, den man als den Nicolas Sarkozy unter den Macht- und Prachtkerlen des amerikanischen Filmgeschäfts bezeichnen könnte. Man liegt also nicht ganz falsch, wenn man Rob Reiners Komödie „Das Beste kommt zum Schluss“ einen Hang zur Schwarzweiß-Malerei unterstellt. Das muss noch kein Fehler sein. Der Witz der Komödie beruht ja gerade auf dem Prinzip, dass sie überzeichnet und zusammenzwingt, was nicht zusammengehört.

Verwundert es daher, wenn die beiden Bettnachbarn im Laufe des Films zu besten Buddies werden? Statt sich in depressive Innerlichkeit zu verkriechen, geben sich die beiden auf ihre letzten Tage noch einmal dem Tourismus hin und reisen mit dem Privatjet in, sagen wir, 18 Tagen um die Welt. Sie preschen mit dem Jeep durch die Serengeti. Sie bestaunen das Wunderwerk des Taj Mahal. Sie lassen sich auf den Himalaja fliegen. Und wie zwei easy riders rasen sie auf dem Motorrad über die chinesische Mauer mit dem Canned-Heat-Song „On the Road Again“ im Rücken. Noch einmal die letzten Tropfen Lebenssaft genießen, während der Tod schon die Sense wetzt – warum nicht? Auch wenn die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt, springen immerhin atemberaubende Postkartenpanoramen dabei heraus (Kamera: John Schwartzman).

Was man Rob Reiner dann aber doch vorhalten muss, ist sein Wille zum Vorhersagbaren, Konservativen und Sentimentalen. Gute Komödien gehorchen den Prinzipien des Anarchismus: Das größtmögliche Chaos bedeutet größtmögliche Freiheit. Man denke an „Der Partyschreck“ (1968), „Is’ was, Doc?“ (1972) oder die Filme von Buster Keaton. Bei Rob Reiner bewegt sich alles auf bewährten Gleisen und mündet am Schluss in Rührseligkeit. Familienwerte werden hochgehalten. Der Glaube an das Gute kehrt zurück. Und auch wenn es am Ende nicht weiterhilft: Dem Tod wird, so lange es geht, gut kapitalistisch mit Konsum getrotzt.

Selbst mit der Besetzung geht der Film auf Nummer Sicher. Wäre es nicht viel frecher gewesen, die Rollen andersherum zu verteilen? Morgan Freeman als lüsterner grumpy old man – das wäre doch was. Der mittlerweile 60-jährige Regisseur, der in „Harry und Sally“ einst den aufregendsten Orgasmus jenseits des Porno-Genres inszeniert hat, ist brav geworden.

In 20 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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