Kino : Das Macker-Ich

Im Kino: Todd Phillips’ Komödie „Der Date-Profi“

Martin Schwickert

Man kennt das: Zu Hause stapelt sich die Ratgeberliteratur. Aber alle Versprechungen auf eine erfüllte, ausgeglichene, glückliche und selbstbewusste Existenz wollen sich partout nicht einlösen.

Auch Roger (Jon Heder) macht die schmerzliche Erfahrung, dass man nur aus eigenen Erfahrungen lernt. Der linkische Mittzwanziger arbeitet als Strafzettelverteiler in New York. Mit seinem Elektromobil schippert er in Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen und kehrt nach einer Auseinandersetzung mit bewaffneten Falschparkern ohne Uniform und Schuhe zum Revier zurück. Sogar der Waisenjunge, den er im Rahmen eines Freiwilligenprogramms betreut, kündigt die „Bruderschaft“ auf, und die Kontaktaufnahme zur reizenden Nachbarin Amanda (Jacinda Barrett) endet in plötzlichen Ohnmachtsanfällen vor der Wohnungstür der Angebeteten.

Für einen Teilnehmerbetrag von 5000 Dollar in bar belegt Roger einen Selbsterfahrungskurs bei dem dubiosen Dr. P. (Billy Bob Thornton), der einen zügigen Aufbau des männlichen Selbstbewusstseins verspricht. Mit Paintball-Spielen im Wald und Konfrontationstraining in freier großstädtischer Wildbahn versucht der militante Chauvinist den Löwen im Mann zu wecken und seine verweichlichten Schüler zu knallharten Machos heranzuziehen. Zunächst wirkt sich das Macker-Seminar positiv auf Rogers Annäherungsversuche aus, bis er feststellen muss, dass sich sein Lehrer selbst an die schöne Amanda heranmacht.

Was als Satire über Ratgeberwahn, Männlichkeitsfantasien und Selbstfindungsseminare beginnt, verläuft sich in „Der Date-Profi“ unter der einfallslosen Regie von Todd Phillips („Road Trip“, „Starsky & Hutch“) bald in äußerst flachhumorigen Gefilden. Dass die lausige Männerkomödie beim Kinostart in den USA nicht einmal ihre Produktionskosten einspielen konnte, überrascht nicht wirklich. Jon Heder („Napoleon Dynamite“) stapft mit einem wenig abwechslungsreichen, grenzdebilen Gesichtsausdruck durch den Film. Ihn 108 Kinominuten als Hauptdarsteller ertragen zu müssen, ist eine Zumutung, für die auch die Auftritte von Billy Bob Thornton als zynischer Lehrkörper nicht angemessen entschädigen können.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Cubix und Hellersdorf, Colosseum, Karli Neukölln, UCI Eastgarte, Zoo Palast

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben