Film : Tausendküken in Tansania

Die Tierdoku "Das Geheimnis der Flamingos".

Christiane Peitz
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Kühle Erfrischung für den Flamingo. -Foto: dpa

Der Natronsee im Norden von Tansania. 60 Kilometer lang, kaum einen halben Meter tief, strahlend blau unter schweren Gewitterwolken, über den Steilfelsen des Great Rift Valley spuckt ein Vulkan Feuer und Asche. Ein Ort der Schönheit und der Urgewalten. Wegen des hohen PH-Werts stinken die Wasser des Sees, wenn sie verdunsten, wird die Salzkruste beißend scharf, bei Temperaturen bis zu 60 Grad. Wasser und Feuer, Hitze und Salz, ein Höllengemisch. Und wegen der Blaualgen ein Paradies für Flamingos – bis zu zwei Millionen Vögel nisten jährlich auf den ätzenden Salzbänken.

Es ist nicht leicht, einen Tierfilm zu drehen. Den Wundern der Natur mit der Kamera auflauern, erfordert Geduld und Demut; sie auch noch in eine Handlung einzuspeisen, eine schlüssige Idee. Seit dem Riesenkassenerfolg von „Die Reise der Pinguine“ sind Tierfilme deshalb entweder Melodramen mit menschelnden Protagonisten oder Appelle zur Rettung bedrohter Tierarten wie zuletzt im Delfin-Film „Die Bucht“.

„Das Geheimnis der Flamingos“, eine Produktion der neuen Sparte Disney Nature, wählt einen dritten Weg und knüpft an die Bilderpoesie von „Mikrokosmos“ oder „Nomaden der Lüfte“ an. Die britischen Regisseure Matthew Aeberhard und Leander Ward halten mit der Kamera fest, wie das Carotin in den Algen das Gefieder der Flamingos pink und ihre Schwingen purpurrot färbt. Sie zeigen die bizarre Komik der zackigen Kopfbewegungen bei der Balz, die Tausende von Küken, die nach einem glühend heißen Monat wie gerupfte Hühnchen mit Stutzflügeln und salzverklumpten Füßen ins Leben stolpern, die von Wächtervögeln geschützte Kindergartenkolonie – und die seelenruhigen, mörderischen Attacken der fleischfressenden Marabus.

Kreislauf des Lebens. Wenn der Zug der Vögel eine farbenprächtige Partitur in den Himmel über der archaischen Mondseenlandschaft zeichnet, ist das schon Filmstoff genug. Leider wird der Schauwert der Flamingos von einer mythisch raunenden Offstimme, Regenbogenkitsch und pop-orchestralem Soundtrack zur Naturreligion überhöht. So sehr man sich freut, dass mal keine menschlichen Tugenden in die Tiere hineininterpretiert werden, so ärgerlich wird es, wenn das Ei des Flamingos am Ende mit dem Kosmos gleichgesetzt wird. Christiane Peitz

Cinemaxx Potsdamer Platz

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