''Itty Bitty Titty Committee'' : Anna, Sadie und all die anderen

Noch mehr "Alpha-Mädchen", aber subtiler: Jamie Babbits "Itty Bitty Titty Committee“.

Kerstin Roose

Noch mal für alle: Der Wind hat sich gedreht. „Cool, schlau, selbstbewusst – das sind die neuen Feministinnen“, erklären die Autorinnen des Buches „Wir Alpha-Mädchen“. Gut zu wissen. Nur: Wie schlau ist eine Bewegung eigentlich, die der Fremdbestimmung weiterhin mit Imperativen und Pauschalisierungen zu Leibe rückt?

Die US-Regisseurin Jamie Babbit wählt in ihrem dritten, mehrfach ausgezeichneten Langfilm „Itty Bitty Titty Committee" einen subtileren Zugang. Auch sie stellt die Frage, wie sich junge Frauen heute zum Feminismus positionieren, allerdings auf humorvoll gebrochene und selbstironische Weise.

Im Leben der 19-jährigen Anna (Melonie Diaz) läuft gerade einiges schief. Die Freundin hat sie verlassen, das College abgelehnt, jetzt jobbt sie bei einem Schönheitschirurgen, der sich auf Brustvergrößerungen spezialisiert hat. Nicht unbedingt ein idealer Arbeitsplatz für eine junge Frau, die Körbchengröße A hat und viel lieber Gender-Studies studieren möchte. Eines Nachts trifft Anna auf die charismatische Sadie (Nicole Vicius) und wird von ihr in den Kreis der „Clits in Action“, kurz „C.I.A.“, eingeführt.

Diese feministisch-lesbische Künstlergruppe kämpft mit originellen, obgleich nicht besonders erfolgreichen Aktionen für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Sie besprüht Schönheitskliniken und Dessousgeschäfte mit Parolen wie „Free your mind, your clits will follow“, oder liefert sich Diskussionen über den phallischen Symbolgehalt von Denkmälern. Das hat Witz. Und das rockt. Auch wegen der schrammelig rauen Musik von Le Tigre oder Peaches. Und wegen des jungen Schauspielerinnenensembles. Allen voran Melonie Diaz: Mit einer berührenden Mischung aus Zartheit und Kraft bringt sie die Figur der Anna zum Leuchten. Gerade wenn die feministischen Parolen aus ihrem Mund noch etwas hölzern wirken, wirkt ihr Spiel besonders stark, weil dieses Zögern auch den schwierigen Selbstfindungsprozess fragil zu erkennen gibt.

Mit „Itty Bitty Titty Committee“ ist der 1970 geborenen Jamie Babbit etwas Seltenes gelungen: eine differenzierte Standortbestimmung des Feminismus, die auch Widersprüche zulässt und zu jenem Wir auf Distanz geht, das von jungen Feministinnen so aufdringlich intoniert wird. „Wir“, das sind hier Frauen jeglicher Couleur: rebellische Punkgirls oder ältere Geschäftsfrauen, lesbisch oder auch nicht. Kerstin Roose

Central, Eiszeit, Xenon (alle OmU)

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