Kinokritik : Konferenz der Tiere

Der 3D-Animationsfilm "Konferenz der Tiere" lässt einen mehr mehr Raffinesse wünschen.

von

Als Erich Kästner 1947 seine Erzählung „Konferenz der Tiere“ schrieb, war das eine direkte Reaktion auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und eine Mahnung für den durch den Ost-WestKonflikt neuerlich gefährdeten Weltfrieden. Die Hannoveraner Trickfilmschmiede „Ambient Entertainment“ hat nun eine Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers auf die Beine gestellt und den Stoff kräftig modernisiert. Zwar nehmen auch hier die Tiere ihr Schicksal selbst in die Hand, aber diesmal geht es nicht gegen die Kriegstreiber, sondern gegen die Umweltzerstörung der Menschen.

Ein gigantisches Staudammprojekt hat den Tieren im afrikanischen OkawangaDelta das Wasser abgedreht. Löwe, Affe und Elefant machen sich auf die Suche nach dem verlorenen Wasser. Hauptfigur ist jedoch das quirlige Erdmännchen Billy, das neben der ökologischen Rettungsaktion auch eine Menge Unsinn anstellt. Zur Originalbesetzung kommen außerdem ein altes Schildkrötenpaar, das für die Lebensweisheiten zuständig ist, ein tasmanischer Teufel mit explosiven Blähungen, ein furchtloser gallischer Hahn sowie ein Eisbär für imposante Kampfsequenzen. Auch wenn die Aktualisierung der Geschichte etwas reißbrettartig wirkt, können sich Animation und 3D-Effekte durchaus mit internationalen Produktionen messen. Einzig die Massenszenen während der Tierkonferenz wirken ein wenig ungelenk und im Detail etwas zu sparsam animiert. Vom Drehbuch hätte man sich allerdings ein wenig mehr Raffinesse gewünscht, denn trotz ökologischer Botschaft humpelt die Dramaturgie etwas unbeholfen von einer Actionszene zur nächsten.

Auch die kaum variierte Übernahme von Motiven aus erfolgreichen amerikanischen Vorbildern wie „Ice Age“, „Madagascar“ oder „Findet Nemo“ ist etwas plump geraten. Das deutsche Trickfilmstudio, das bisher einerseits mit Filmen wie „Back to Gaya“ nach dem Weltmarkt schielte, andererseits mit den beiden „Urmel“-Verfilmungen auf deutsche Kinderbuchklassiker setzte, hat auch in diesem Film die Chance verpasst, sich mit einer eigenen, originellen Ästhetik vom internationalen Trickfilm-Mainstream abzuheben. Martin Schwickert

In 22 Berliner Kinos

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben