Komödie : Die Wüste lebt

Zärtlich und unaufdringlich: Die israelische Völkerverständigungskomödie ''Die Band von nebenan“ setzt auf Gesichter, die auch ohne viel Dialog Geschichten erzählen können.

Martin Schwickert

Als der Kleinbus davonfährt, gibt er den Blick frei auf acht himmelblau gekleidete Gestalten: Wie an einer Schnur aufgereiht, warten sie vor irgendeinem Flughafen in Israel. Bestellt und nicht abgeholt, so stehen die Musiker des Polizeiorchesters Alexandrias da in ihren schmucken Ausgehuniformen.

Ein absurdes Bild, für das sich der israelische Regisseur Eran Kolirin in seinem Kinodebüt viel Zeit nimmt. Gleich zu Beginn macht er klar, dass dieser Film sich Ruhe für Bildkompositionen erlaubt, dass er seinen eigenen Sinn für das Groteske pflegt und die Gesichter seiner Figuren genau erforscht – Gesichter, die auch ohne viel Dialog Geschichten erzählen können.

Zum Beispiel Tewfiq (Sasson Gabai), der Leiter des Orchesters: Wie viel Würde, Strenge, Enttäuschung und Sanftmut liegt in diesem zerfurchten Gesicht! Er fühlt sich nicht nur als Orchesterchef, sondern auch als Repräsentant des eigenen Landes, das mit Israel in jahrelang befriedeter Feindschaft lebt. Eigentlich sollen die Musiker in einem arabischen Kulturzentrum von Petah Tikva spielen. Aber da die Ägypter des Hebräischen nicht mächtig sind, steigen sie in den falschen Bus und landen in Bet Hatikva, einem trostlosen Betonstädtchen mitten in der Wüste.

„Hier gibt es kein arabisches Zentrum. Keine Kultur, keine israelische Kultur, keine arabische, gar keine Kultur. Scheißgegend“, lautet die Tirade, mit der die Wirtin mit rauchiger Stimme die Fremden begrüßt. Dina (Ronit Elkabetz) wirkt mit ihrem ironisch-lasziven Auftreten wie ein Vamp in der staubigen Provinz und ist ebenso belustigt wie fasziniert von den uniformierten Außerirdischen aus dem Nachbarland. Da der nächste Bus erst am anderen Tag fährt, rücken die Einheimischen zusammen, um den Musikern Quartier zu bieten.

Mit zärtlicher Ironie und einem wunderbar unaufdringlichen Erzählton inszeniert Regisseur Eran Kolirin das israelisch-ägyptische Zusammentreffen in der warmen Sommernacht. Auf beiden Seiten bemüht man sich um Gemeinsamkeiten: So werden etwa die Bilder vom Sechstagekrieg, die an der Wand des Restaurants hängen, mit der Uniformmütze überdeckt. Oder man tauscht Erinnerungen an die ägyptischen Musicals aus der Kindheit oder evoziert binationale Problemlösungen bei der partnerschaftlichen Annäherung in einer Rollschuhdisko. Dass man nicht die gleiche Sprache spricht, erschwert und vereinfacht die Sache gleichermaßen. Mit seiner ökonomischen Dialogführung, den präzise komponierten Bildern und dem sensiblen Blick auf die Figuren erweist sich Kolorin in seinem Kinodebüt als ein äußerst vielversprechender Filmemacher, der die minimalistische Erzähltradition des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki erfolgreich ins israelische Kino adaptiert.

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