Porträt : Bester Bösewicht: Christopher Lee

Ob Rumpelstilzchen, Dracula oder Saruman - Christopher Lee ist mit seinen Schurken-Rollen berühmt geworden. Jetzt feiert der Schauspieler seinen 85. Geburtstag.

Christopher Lee
Foto: ddp

Seinen ersten Schurken hat er schon als Kind im Schultheater gespielt: Rumpelstilzchen. Der bislang letzte ist ihm der liebste: Der Zauberer Saruman in "Herr der Ringe". Doch sein mit Abstand bekanntester ist Dracula. Den Blutsauger spielte Christopher Lee, der am Pfingstsonntag 85 Jahre alt wird, so oft und so überzeugend, dass er bis heute als bester aller Kino-Vampire gilt.

Dafür ist der Mann zwar durchaus dankbar, der mit seinen 1,95 Meter auch im Wortsinn einer der größten Horrorfilmschauspieler der Welt ist. Doch zugleich beklagt er, dass ihm das Dracula-Image auch nach Jahrzehnten noch anhängt - trotz etlicher anderer Rollen, die nichts mit Angst und Schrecken zu tun hatten. Sogar einige positive Helden hat er aufzuweisen. Darunter den Detektiv Sherlock Holmes.

250 Rollen hat Lee verkörpert

Insgesamt brachte es Lee auf mehr als 250 Rollen. "Sie haben aber eine lange Karriere!", sagte Elizabeth II. nach Angaben des Stars, als sie ihn kurz vor seinem 80. Geburtstag im Buckingham-Palast zum Ritter schlug. Begonnen hatte die Schauspielerlaufbahn - sieht man von der Märcheninszenierung in seiner Schweizer Privatschule ab - 1946 mit einer Nebenrolle in der Filmromanze "Corridor of Mirrors".

Dazu hatten ihm exquisite Kontakte seiner Familie zur Filmwelt verholfen. Das Multitalent Lee - er spricht acht Sprachen und war auch als Opernsänger und sogar als Heavy-Metal-Rocker tätig - wurde in London als Sohn eines englischen Offiziers und einer italienischen Gräfin aus dem Geschlecht der Carandini geboren. Deren Familienwappen war im 12. Jahrhundert vom deutschen Kaiser Barbarossa verliehen worden.

Der Fürst der Finsternis

Zu seinem unverwechselbaren Aussehen mit prägnanten Wangenknochen und stechenden dunklen Augen gesellte sich großes handwerkliches Können. Auch als Dracula setzte Lee in den siebziger Jahren Maßstäbe, indem er "den Fürsten der Finsternis als Machtmenschen und als hochgradig erotisierte Figur anlegte, dessen lustvoller Ausstrahlung die Opfer verfallen", lobte der Fachdienst Blickpunktfilm.de.

Sein "Geheimnis" war das aller wirklich guten Schauspieler: Beschränkung statt Überschwang. "Jede noch so kleine Geste hat Bedeutung", sagte Lee. Das lässt sich nicht in allen seinen Filmen nachvollziehen, zu denen auch Klamotten wie "Dracula jagt Mini-Mädchen" gehörten. Gäbe es bei den Oscars jedoch die Kategorie "Bester Bösewicht", so hätte Lee etliche der goldenen Männchen in seinem Trophäenschrank.

Eigentlich wollte er Gandalf spielen

Dazu gehören neben Dracula (acht Mal!) die Gestalt des chinesischen Möchetegern-Weltbeherrschers Dr. Fu Man Chu, der Gegenspieler von James Bond (Roger Moore) als Scaramanga, der dunkle Count (Graf) Dooku in der "Star Wars"-Serie und auch Frankensteins Monster-Schöpfung. Doch seine Paraderolle auf der dunklen Seite der Kinomacht kam 2001 mit dem ersten "Herr der Ringe"-Film.

Am Anfang gab es dabei allerdings eine Enttäuschung: Lee, der den Fantasy-Autor J.R.R. Tolkien noch persönlich kennen gelernt hatte und dessen "Ringe"-Trilogie nach eigenen Angaben lange Zeit "einmal pro Jahr" las, wollte unbedingt den guten Zauberer Gandalf spielen. Damit hätte er wohl endlich das ungeliebte Dracula-Image abstreifen können.

Doch beim Casting hieß es, Lee sei zu alt. Den Zuschlag bekam Ian McKellen, den Lee später neidlos für seine Leistung lobte. Für ihn blieb "nur" der böse Zauberer Saruman. Aus dieser übernatürlichen Gestalt machte er einen Menschen, wenngleich einen bösen. Für all seine Monster hat er stets auch ein wenig Sympathie aufgebracht. Denn im Grunde, sagte Lee einmal, spiele er genau wie sein Kollege Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") "keine Schurken, sondern Menschen". (mit dpa)

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