Rosa von Praunheim : Feuerregen

"Rosas Höllenfahrt": Rosa von Praunheim – katholisch erzogen, als Künstler Schwulenaktivist – spürt den kirchlichen Bestrafungsobsessionen seiner Kindheit nach.

Thomas Lackmann

Wer sich dem Tode nähert, will es noch mal wissen, behauptet der Erzähler. Hölle ist beispielsweise, so erfahren wir: die Trennung von Gott (Katechismus). Ein Ort der Dunkelheit, wo man allein ist (Teenager). Machen wir uns selber, wenn wir nicht zu Gott wollen (Nonne). Plutos öder Palast (Vergil). Ein Schattendasein (Gilgamesch-Epos). Heißer Sand mit Feuerregen auf die Schwulen (Dante). Ein Sisyphos-Job (Homer). Hölliwood, wo der King schlechte Filme machen musste (Church of Elvis). Selbst im Buddhismus, dem man das kaum zutraut, gibt es acht kalte, heiße oder zerschneidende Besserungslabore. Ein Kulturwissenschaftler kennt „Himmel und Hölle als Gefühlsräume“. Ein junger frommer Publizist attackiert die Religion der Spießer,wo man kollektiv singt „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel“. Verdammnis – das Kriterium der Unterscheidung? Die Theologin Uta RankeHeinemann hat den Glauben (nicht nur) daran „total verloren“.

Rosa von Praunheim – katholisch erzogen, als Künstler Schwulenaktivist – spürt den kirchlichen Bestrafungsobsessionen seiner Kindheit nach. Seine durch eigene Lebenserwartung herausgeforderte, interreligiöse und multiethnische Bildungsexkursion, produziert mit ZDF und Arte, kommt zwar oft auf die inkriminierte Homosexualität zurück, wird aber weder radikal persönlich noch – trotz schöner Bilder (Kamera: Elfi Mikesch) – ein tauglicher Kinofilm. „Rosas Höllenfahrt“ juckelt daher, als gemütlicher Rundumschlag über das Leben danach, über Gerechtigkeit, Läuterung, Strafe und Bigotterie, montiert aus Interviews, Impressionen und gespielter Rezitation.

Die höllisch-paradiesischen Schauspieler-Szenen sind bestenfalls unfreiwillig komisch. Den Regisseur begeistern Foltervisionen seines „Lieblingsmalers“ Hieronymus Bosch. Zeitgemäße Projektionen der Höllenvorstellung ins Diesseits erwähnt er pflichtschuldig. Doch die Geheimnisse der Liebe, des Schmerzes, der Freiheit und der Heiligkeit interessieren ihn nicht; die haben mit dem Mysterium Hölle, so es ein solches geben sollte, anscheinend wenig zu tun. Geheimnisse? Rosa rührt nicht dran. Rosa räsoniert. Thomas Lackmann

Hackesche Höfe, täglich 21.30 Uhr

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