''Todeszug nach Yuma'' : Die Versprengten

James Mangold („Walk the Line“) ist mit dem „Todeszug nach Yuma“ ein elegantes Western-Remake gelungen.

Sebastian Handke

Männer werden geboren, sagt Ben Wade einmal, damit sie sich nehmen, was sie wollen. Einerseits. Andererseits will man doch zusammenleben und Handel treiben in diesem neuen Land, und da muss ein Mann von diesem Recht Abstand nehmen, auch wenn’s schwer fällt.

Nirgends zeigt sich dieses Ringen um den Gesellschaftsvertrag im amerikanischen Film deutlicher als in den Western der späten fünfziger Jahre. Längst nicht mehr naiv, aber auch nicht nihilistisch wie der Spätwestern sind hier Heldenstatus und Figurentypik noch weitgehend intakt. Die Antagonisten aber werden psychologisiert. Aus dem finalen Show-off wurde ein fortwährendes Duell zweier gleichwertiger Männer, Feinde nur wegen ihrer gegensätzlichen Lebensauffassungen. Und damit der Rechtschaffene gegenüber seinem freien Widerpart nicht zum Langweiler wird, ist für den Guten der Tod meist unausweichlich – aber eben nicht, wie im Spätwestern, vergeblich. Denn gestorben wird für die Behauptung einer kleiner Zivilisationsinsel inmitten endloser Sozialbrache.

Die Kurzgeschichte „Todeszug nach Yuma“ ist ein Paradebeispiel dieses Westerntyps: Der Bürgerkriegsinvalide Dan Evans lebt mit Frau und Kindern auf einer abgelegenen Ranch. Eine Dürre hat die Familie an den Rand des Ruins gebracht. Eines Tages wird Evans Zeuge eines Überfalls auf die Postkutsche. Als er den einzig Überlebenden nach Bisbee bringt, wird der berüchtigte Outlaw Ben Wade gerade festgenommen. Evans lässt sich auf ein riskantes Angebot ein: Für 200 Dollar eskortiert er Wade mit einer Handvoll Männern zu einer drei Tagesritte entfernten Bahnstation.

James Mangold („Walk the Line“) hält sich in seinem Remake der ersten Verfilmung weitgehend an die Handlung des Filmes von 1957. Er schärft allerdings die Konturen: die vollkommene Abwesenheit ziviler Bindung, ins Nichts gewürfelte Städtchen mit schäbigen Holzbaracken, die Wucht des Postkutschenüberfalls und die wilde Ballistik des Finales machen „Yuma“ zu einem Film von kahler, grimmiger Schönheit. Mangold fügt zudem Elemente hinzu, die den historischen Nullpunkt dieses Westerntyps zwischen der weitgehend abgeschlossenen Ausrottung der Ureinwohner und der Etablierung des Kapitalismus markieren: Versprengte Indianer schießen rachsüchtig aus dem Hinterhalt, chinesische Lohnarbeiter legen Gleise, Unternehmer zählen das Geld, bevor es ihnen gehört.

Das Beste aber sind die Hauptdarsteller: Christian Bale als Farmer, den der eigene Sohn verachtet – und vor allem Russell Crowe als gefährlicher, aber galanter Freigeist mit der Seele eines lebenshungrigen Künstlers. Sebastian Handke

In acht Kinos, OV Cinestar Sony-Center

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