Kinokritik : "Outsourced": Ethno-Filmkomödie spielt mit Indien-Klischees

Gefährliche Liebesstellungen, ins Ausland verlagerte Callcenter und Figuren, die ans Herz wachsen. Die neue Ethno-Filmkomödie von John Jeffcoats füllt alte Klischees schlicht aber wirkungsvoll mit Leben.

Sebastian Handke

Indien sehen und leben. Schon oft verschlug es Neurotiker, Kapitalisten und andere Selbstausbeuter ins Land der wehenden Saris und heiligen Kühe, um dort ihr Heil zu finden. Zuletzt war es Wes Anderson, der im Trans-India-Express „Darjeeling Limited“ drei Brüder zuerst die Mutter und dann sich selbst finden ließ.

„Outsourced“ hat dem Szenario zunächst wenig hinzuzufügen: Ein Callcenter in Seattle wird geschlossen und nach Gharapuri, Indien verlegt. Todd Anderson (Josh Hamilton) behält seinen Job, muss allerdings in Indien den eigenen Ersatz fortbilden. Verständlich, dass Todd wenig Lust hat auf das verwirrende Land und baldmöglichst wieder verschwinden will.

In einem improvisierten Betonverschlag am Rande der Steppe – „Fulfilment“ steht doppeldeutig über der Tür – bringt er aufstrebenden Fernverkäufern US-Kultur bei, damit sie am Telefon US-Kitsch verscherbeln können. Allmählich aber kommen sich Todd und Indien näher. Die kluge Telefonistin Asha (Ayesha Dhakrer) und ihre untertassengroßen Augen spielen dabei eine Rolle. Todd lernt, wie man eine Mango verspeist und die Liebesstellung „Der Affe zieht die Rübe“ schadlos übersteht. Schade nur, dass Asha seit früher Kindheit einem anderen versprochen ist.

Der Film hat schon einige Publikumspreise gewonnen

Es gehört viel dazu, das alte Spiel mit den Ethno-Klischees noch einmal mit Leben zu füllen. Regisseur John Jeffcoat gelingt das auf schlichte, fast altmodische Art: Seine Figuren wachsen ans Herz, weil sie nicht nur Typen sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Vor allem die Annäherung von Todd und Asha entfaltet sich mit einer Achtsamkeit, die man in amerikanischen Komödien selten sieht: keineswegs zaghaft, aber auch nicht zu forsch, lässt der Film seinen Hauptfiguren Raum und Würde. Eine Globalisierungs-Komödie über das Kennenlernen: warmherzig und treffsicher.

Kein Wunder, dass „Outsourced“ auf Festivals meist den Publikumspreis gewann. Nun kommt die mit wenig Geld produzierte Story beim Großverleih Fox in Deutschland heraus – leider synchronisiert. Denn mancher Witz des Films beruht auf dem Gegenüber zweier Englisch-Dialekte, dem amerikanischen und dem indischen („Ihr habt es von den Briten. Wir auch.“). In der deutschen Version spricht Todd Hochdeutsch – und jeder Inder mit hässlichem Akzent. Das nimmt dem Film nicht nur viel von seinem Charme, sondern kehrt seine Prämisse ins Gegenteil: In „Outsourced“ gibt es keine Exoten.

In fünf Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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