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Norwegischer Kassenschlager: das Widerstandsdrama „Max Manus“

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Spur des Blutes. Aksel Hennie ist als Max Manus einfach nicht zu fassen. Foto: Capelight PicturesCapelight Pictures

In seiner Heimat gilt er als Nationalheld, er ist eine Art norwegischer Stauffenberg. Max Manus nahm den Kampf gegen das Böse auf und hat es, anders als Graf Stauffenberg, tatsächlich besiegt. In „Max Manus“, dem norwegischen Biopic über den Widerstandskämpfer, wirkt er trotzdem nicht wie ein strahlender Gewinner. Dafür zögert und zaudert er zu sehr. „Ich habe schon zu viele Leute um mich herum sterben sehen“, sagt er in einer Schlüsselszene. Manus lässt sich dann doch auf die Aktion ein und sprengt im Januar 1945 im Hafen von Oslo einen deutschen Truppentransporter. Auf den Minen, die er an das Schiff heftet, stehen die Namen von Freunden, die im Kampf gegen die Besatzer gestorben sind, und der Name des Staatsoberhaupts, der ins Exil gehen musste: „Für Tallak“, „Für Greggers“, „Für den König“.

„Max Manus“ ist der erfolgreichste norwegische Film der letzten Jahrzehnte. Von den fünf Millionen Norwegern haben ihn 1,2 Millionen im Kino gesehen. Es ist mit einem Budget von sieben Millionen Euro auch eine der teuersten Produktionen der norwegischen Filmgeschichte. An Verfolgungsjagden, pyrotechnischen Verpuffungen und Folterszenen im Gestapo-Keller wurde nicht gespart. Aber den Regisseuren Espen Sandberg und Joachim Rønning geht es weniger um Action als um Geschichtsschreibung. „Max Manus“ ist in erster Linie ein Porträt, die Geschichte eines Mannes, den der Krieg vom Draufgänger in einen Skeptiker verwandelt. Am Ende, als die Deutschen geschlagen sind und die Siegesparaden beginnen, zieht er sich tagelang zurück, um zu trauern und sich zu betrinken.

„Warum wollen Sie ein Saboteur werden?“, wird Manus in England gefragt, wohin er sich in einer spektakulären Flucht aus der Gestapo-Haft gerettet hat. „Mein Land ist mir gestohlen worden und ich will es zurück haben“, lautet seine Antwort. Darin schwingt ein markiger Unterton mit. Aber Hauptdarsteller Aksel Hennie unterläuft das Pathos der Rolle mit der Lakonie seines Spiels. Er zeigt nicht nur den Mut von Manus, sondern auch seine Angst. In Flashbacks erinnert er sich an den finnischen Winterkrieg, für den er sich freiwillig gemeldet hatte. Eine Geisterlandschaft aus Schnee und Eis. Und darin, nervös mit der Handkamera gefilmt, Manus, der einen um sein Leben bettelnden Rotarmisten erschießt.

Als Gegenspieler fungiert der Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer, der die Jagd auf Manus und die Widerstandsgruppe „Oslojeng“, Oslobande, organisiert. Ken Duken spielt ihn, an Christoph Waltz in „Inglourious Basterds“ erinnernd, als Monster mit Charme. Befehle erteilt er mit freundlichem Lächeln, die blonden Norwegerinnen in seiner Umgebung können sich dem Verführer kaum entziehen. Diabolisches hat er nicht an sich, er ist ein Spieler und Karrierist. Am Ende, in einer Gefängniszelle auf die Hinrichtung wartend, wirkt er jämmerlich. Manus steckt ihm eine Zigarette an und verweigert den Handschlag.

„Max Manus“ vermischt das Drama der Historie mit dem Nervenkitzel eines Thrillers und steht damit in einer Reihe mit neueren Widerstandsfilmen aus Dänemark („Tage des Zorns“) und den Niederlanden („Black Book“). Die Geschichte von Besatzern und Besetzten muss nicht umgeschrieben werden, aber die Frontlinien zwischen Gut und Böse sind nun nicht mehr so klar, wie sie einmal schienen. Unterwegs zu seinem letzten Sabotageeinsatz trifft Max Manus einen deutschen Rekruten im Zug. Ein Smalltalk beginnt. Eigentlich sind sie gar nicht so verschieden, der Widerstandsmann und der Soldat mit dem Hakenkreuz auf der Uniform. Sie müssen einander nicht töten, sie können auch plaudern.

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