Kultur : Klangluft

ULRICH AMLING

Werk für Werk errichtete Anton Bruckner als tönendes Gotteslob.Auch seine selten gespielte 2.Symphonie, die das Deutsche Symphonie-Orchester zum Ausklang der Festwochen unter Heinrich Schiff musizierte, ist ein echter Bruckner.Seine Neigung zu Generalpausen ist wohl in keinem anderen Werk so ausgeprägt: Allein siebenmal steht das Orchester im ersten Satz still."Wenn ich etwas Wichtiges zu sagen habe, muß ich vorher Luft holen", sagte Bruckner - und Heinrich Schiff und das DSO holten mächtig Luft.Organisch stieg der "Urnebel" tremolierend aus den Streichern herauf, von Takt zu Takt entfaltete sich die überlegene dynamische Konzeption Schiffs.In feinsten Abstufungen führte er das Orchester zu mächtigen Fortissimo-Stößen, um ihm gleich darauf zarteste Pianissimo-Läufe abzuverlangen.Die Streicher des DSO fanden unter Leitung des Meistercellisten am Dirigentenpult zu großer Homogenität ohne jede Süßlichkeit.Schiff selbst lehnte mal entspannt an der Rückenlehne seines Podiums, mal stand er auf Zehenspitzen an dessen vorderstem Rand.Auf der Suche nach dem richtigen Tempo versuchte er nicht, den Mystiker Bruckner zu übertreffen, sondern hielt sich an den Architekten.Das Ergebnis: Eine packende Darstellung der 2.Symphonie, mit Bravo-Rufen bedacht.Zahlreiche Konzertbesucher, die im Verkehr rund im den Potsdamer Platz steckenblieben, verpaßten mit Franz Schrekers Kammersinfonie den betörenden Konzertauftakt.Kostbar blühten die Orchesterfarben auf, silbrig von Hans Mailes schwerelosem Violinklang überzogen.Das DSO spielte traumverloren, doch alles andere als schlafmützig.

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