Kultur : Klar in der Form - "Der Raum" fertigt zeitlos schöne Möbel nach Maß

Nora Sobich

Herr von Ribbeck hätte seine Freude gehabt. Wie ein Feuerwerk ziehen die Adern eines Birnbaums über die massive, fast zweieinhalb Meter lange Tischplatte. "Einen Obstbaum mit einem solchen Umfang und Stamm findet man selten", meint Andreas Krüger, der das Modell "Tavula" entworfen und gebaut hat: "Ein Gigant unter den ansonsten üblichen Stämmchen." Von der Seite sieht die lange Tafel mit den Edelstahlleisten wie eine Werkbank aus. Das Möbel mit der schönen natürlichen Maserung wird von "Der Raum" produziert, einer Firma, die vor einigen Monaten in der Uhlandstraße ihr zweites Verkaufsgeschäft eröffnet hat. Neben Andreas Krüger sind dort noch ein weiterer Tischler, eine Innenarchitektin und ein Industriedesigner beschäftigt. Die Grenzen zwischen Handwerk und Design scheinen fließend.

"Der Raum" gehört zu dem gemeinnützigen Verein "Zukunft bauen e.V.". Dieser Projektverbund, der sich bei Ausbildungs- und Sozialprojekten engagiert, hat auf einem Gewerbehof in Weißensee alles, was mit Holzarbeiten zusammenhängt, gebündelt - Möbeltischlerei, Holzentlackung, Möbelrestaurierung und Elektro-, Stuck-, Lackier- und Malereiwerkstätten. Man fertigt maßgeschneiderte Einzelstücke, entwickelt Kleinserien, vor allem aber macht man komplette Wohnungssanierungen und Inneneinrichtungen. Basis aller Kreationen ist Holz, für dessen Vielfalt und Erscheinungsformen das Raum-Team einen feinen Sinn hat. Man sucht das Moderne, pflegt das Traditionelle und scheint auch von den minimialistischen Gestaltungsprinzipien der asiatischen Wohnwelt beeinflußt zu sein. Ihre Möbel sind schlicht und von klarer Form. "Wir kommen aus der handwerklichen Ecke", sagt Krüger, "und wissen um deren Schönheit." Eines der Möbel, das auch in Kleinserie produziert wird, ist das Kinderbett "Filia", das Krüger vor drei Jahren entworfen hat. Es läßt sich spielend leicht von einem Kinderbett, in ein Sofa oder Schreibtisch umwandeln. Weniger raffiniert, aber von zurückgenommen schöner Form ist eine Anrichte aus Nussbaumholz. Die Vitrinenfenster, die leider auf sehr dominanten Schienen sitzen, erinnern an Milchglasfenster, sind aber sandgestrahlter Spiegel. "Je nachdem wie das Licht reinfällt, bekommt es eine unterschiedliche Tiefe", erklärt Krüger, "weil das Licht aus dem Spiegel nicht so schnell wieder raus kann."

Die Kombination von Holz mit anderen Materialien wie Glas oder Edelstahl hat einen eigenen Reiz. Ein gutes Beispiel ist ihr Vitrinenschrank, der auch als Vorführstück dient und den Umgang der Firma mit aktuellen Wohntrends zeigt. Der längliche, im Grundriss fast quadratisch anmutende Schrank hat gläserne Regalflächen und ist aus Zebrano, einem seltsam gestreiften, ostafrikanischen Holz. Er passt nicht nur mit seiner Maserung, sondern auch mit seiner minimierten Formensprache zum Revival der sechziger und siebziger Jahre.

Exotisch sieht der große Büroschrank aus, der in Blau oder Grün lackiert ist, und in dessen Türen ein Apfelbaumfunier eingearbeitet wurde. Hölzer mit starker Intensität, wo man die Maserung erfahren könne, seien sehr beliebt, sagt Krüger. Obsthölzer seien wegen ihrer Drehwüchsigkeit allerdings schwer zu verarbeiten. Zu den Klassikern zählen Kirsche, Buche und auch Ahorn als helle Hölzer. Die ästhetische Auffassung von "Der Raum" wirkt so kunstvoll einfach wie geschmäcklerisch. Es gibt klare, kantige Formen ohne Schnickschnack, aber mit verspielten Einfällen.Der Raum-Gestaltung. Möbel. (Re)Konstruktion. Uhlandstr. 14. 10623 Berlin-Charlottenburg. Telefon 31 80 63 24.

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