Klassik-CD der Woche „Vents français“ : Virtuose Musik für Holzbläser

Emmanuel Pahud, Soloflötist der Berliner Philharmoniker, hat mit vier Musikerfreunden virtuose Musik für Holzbläser eingespielt. Und zwar in ihrer edelsten Form.

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Les Vents francais. Von links nach rechts: Gilbert Audin, Paul Meyer, Francois Leleux, Radovan Vlatkovic und Emmanuel Pahud
Les Vents francais. Von links nach rechts: Gilbert Audin, Paul Meyer, Francois Leleux, Radovan Vlatkovic und Emmanuel PahudFoto: promo

Wer bei den Berliner Philharmonikern eine Festanstellung erhält, muss ein außergewöhnlicher Musiker sein. 128 Powerplayer verteidigen in jedem Konzert aufs Neue den Ruf ihres Ensembles – und doch fühlen sich viele Mitglieder von der Arbeit im Kollektiv künstlerisch nicht voll ausgelastet. Groß in Mode ist es unter den Philharmonikern derzeit, selber zum Dirigentenstab zu greifen, besonders bei den „Populären Konzerten“ der Konzertdirektion Hohenfels. Ob Oboist Andreas Wittmann, Geiger Stanley Dodds, Cellist Stefan Koncz oder Perkussionist Rafael Häger – bei dem Freelanceorchester sind sie in diesen Wochen alle im Scharoun-Bau als Nebenerwerbsmaestri zu erleben.

Andere Kollegen verfolgen parallel zum Orchesterjob Solokarrieren oder machen intensiv Kammermusik. Im Ensemble „Les Vents français“ verbindet der philharmonische Soloflötist Emmanuel Pahud beides miteinander. „Vents“ steht im Französischen für „Holzbläser“, neben Pahud (der eigentlich Schweizer ist, aber in Paris studiert hat) gehören der Klarinettist Paul Meyer, der Oboist François Leleux, der Fagottist Gilbert Audin und der Hornist Radovan Vlatkovic dazu. Gleich auf einer Doppel-CD stellen die fünf Virtuosen nun Werke vor, die in den vergangenen 140 Jahren für diese Besetzung entstanden sind.

Großartige Musik ist da zu entdecken, zum Beispiel Paul Taffanels Bläserquintett. Ganz naturnah wirkt im Kopfsatz das zarte Geflecht der Stimmen, als wär’s das filigrane Rankenwerk eines frisch erblühten Rosenstocks. Großstadtatmosphäre aus dem Paris der Zwischenkriegszeit transportieren Jacques Iberts heitere Miniaturen, sehr suggestiv gelingt Samuel Barbers „Summer Music“. Die raffiniertesten Rhythmen und außergewöhnlichsten Klangfarbenmischungen finden sich in György Ligetis „6 Bagatellen“, und Alexander Zemlinskys „Humoreske“ ist ein Kabinettstückchen im Geschmack der Jahrhundertwende.

Als edelste Form des Ausatmens zelebrieren die fünf Künstlerfreude die stilistisch äußerst abwechslungsreichen Werke aus Frankreich, Deutschland, Ungarn und den USA. Ob im richtigen Winkel über eine Kante geblasen werden muss wie bei der Flöte, ob die Töne durch Veränderung der Lippenspannung entstehen wie beim Horn, oder ob der durch Rohrblätter gepresste Atem die Luftsäule im Inneren der Instrumente zum Schwingen bringt wie bei Oboe, Klarinette und Fagott – „Les Vents français“ spielen mit einem Atem.

Die Doppel-CD der „Vents français“ ist bei Warner Classics erschienen.

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