Klassik : Nach Tagen des Donners

Die 21-jährige französische Ausnahmepianistin Lise de la Salle mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in der Philharmonie.

Frederik Hanssen

Es ist das Konzert No. 1 nach dem Schock. Am Sonntag hatte das Deutsche Symphonie-Orchester noch um sein Leben gespielt, Dienstag wurde die Idee einer Fusion von DSO und Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin vom Tisch gefegt. Am Mittwoch also kann das RSB eigentlich völlig entspannt in der Philharmonie auftreten.

Doch ganz spurlos sind die Tage des Donners nicht an den Instrumentalisten vorbeigegangen. Bei aller Emphase in César Francks d-Moll-Sinfonie, aller Konzentrationswilligkeit bei Debussys „Jeux“ ist eine gewisse Erschöpfung nicht zu überhören. Und so wird weder das gerettete Ensemble zum Star des Abends noch Chefdirigent Marek Janowski, der zu seinem Glück doch nicht den Vollstrecker eines Orchestermassakers abgeben muss.

Sondern Lise de la Salle: Mit ihrer unerhört energetischen Interpretation von Camille Saint-Saens’ 2. Klavierkonzert macht die 21-jährige französische Ausnahmepianistin das Publikum erst sprachlos und lässt es dann in endlosen Jubel ausbrechen. Sensationell, welchen zwingenden inneren Puls bereits die ersten Solotakte haben – und die zierliche junge Frau lässt in ihrer Intensität keine Sekunde lang nach.

Grimmig entschlossen meißelt Lise de la Salle die Linien im ersten Satz heraus, tanzt mit absoluter rhythmischer Selbstsicherheit im zweiten und vermag sogar dem virtuosen Leerlauf des Finales Substanz zu verliehen. Eine perfekte Balance aller französischen Tugenden, brillant in der intellektuellen Durchdringung und dabei doch ebenso geistreich wie charmant vorgetragen. Chapeau!

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