Kultur : Klassik: Sanssouci

Uwe Friedrich

Ein rappelvolles Ein-Komponisten-Konzert gehört mit Sicherheit nicht zu den Festwochen. Rachmaninow war eben nicht gut genug für den Jahrhundertklang-Olymp. Da müssen schon die Symphoniker unter Shambadal rettend in die Bresche springen. Mit dem Pianisten Mikhail Rudy spielten sie im Schauspielhaus das erste und das dritte Klavierkonzert. Unter der recht wild rudernden Leitung Shambadals blieben die Streicher zwar ziemlich fahrig, doch die Holzbläser, vor allem die Klarinetten erfreuten mit sanft schwebendem Klang den Zuhörer. Mikhail Rudy hatte jedoch mit dem Bechstein-Konzertflügel durchgehend zu kämpfen. Ist das brandneue Musikmöbel noch nicht richtig eingespielt oder sollte tatsächlich kaum ein ordentliches Legato darauf möglich sein? An Rudy lag es wohl nicht, denn der versuchte bei hohem Tempo viele hübsche Dinge. Genau gezirkelte Rubati und perfekt dosierte Nebenstimmen auch in rhythmisch vertracktesten Passagen fügen sich im ersten Klavierkonzert zum großen Bogen. Zurückhaltende Effekte konfrontiert mit virtuosem Tastenlöwentum prägen auch das dritte Konzert. Gegen Ende zeigt sich, wie viel Kraft der Kampf mit dem Instrument kostet. Doch selbst wenn dem Solisten manche Phrase nur noch annäherungsweise gelingen will, so hat er mit dieser Musik doch vieles zu sagen, was über die Talmiwelt der üblichen "Rach 3"-Sentimentalität hinausweist und den russischen Komponisten ebenbürtig neben den Festwochen-Stars Henri Duparc und Charles Koechlin stehen lässt.

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