Kultur : Klatschspalte

Clap Your Hands Say Yeah im Postbahnhof

Daniel Völzke

Es hätte ein schönes Fest werden können. Die Newcomer-Band Clap Your Hands Say Yeah aus Brooklyn wurde ohne Plattenvertrag, ohne PR-Maschine und Trendmagazine groß. Sie stellten ihr Album ins Netz – und ihr Ruhm verbreitete sich wie von selbst. Wenn diese New Kids On The Blog nun leibhaftig vor ihr Publikum treten, sollte man gemeinsam den Triumph basisdemokratisch entdeckter Musik feiern. Im Postbahnhof hingegen wirken die fünf Musiker seltsam müde und verschlossen. Sänger Alec Ounsworth orientiert sich nicht nur stimmlich an Bob Dylan, sondern auch in dessen Ignorierung des Publikums. Das Set wird lieblos abgespult, mit einer angemessenen Leichtigkeit zwar, doch ohne Improvisation und Spannung, die man von den euphorischen Liedern erwartet. Nur gelegentlich blitzt ein wenig Spielfreude auf, besonders bei den vier bislang unveröffentlichten Songs, mit denen sie sich immer weiter hin zum Blues- Rock bewegen. Auch beim Protestlied „Upon This Tidal Wave of Young Blood“, das sich gegen den Irakkrieg wendet, erkennt man kurz ein wenig Zorn. Zu wenig. Wären die Lieder nicht so furchtbar gut geschrieben, wäre es ein langweiliger Abend geworden. In Erinnerung aber bleibt auch die unglaubliche Nörgelstimme Ounsworths, die sich mit mühelosen Registerwechseln in immer neue Höhen schraubt. Schade.

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