Kultur : Klimakonferenz in Bonn: Zum Schutz verpflichtet: Welche Probleme gelöst werden sollen

Dagmar Dehmer

Der Klimawandel hat längst begonnen. Das hat der dritte Bericht der zwischenstaatlichen Klimaforscher-Gruppe (IPCC) jüngst gezeigt. Bis 2100 könnte die mittlere Erdtemperatur um sechs Grad Celsius ansteigen. Um die Erderwärmung aufzuhalten, haben sich die Industriestaaten 1997 in Kyoto verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgasen von 2008 bis 2012 um fünf Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Seither wird darüber gestritten, wie diese Verpflichtungen erfüllt werden. So auch in Bonn, von diesem Montag an bis zum 27. Juli. Über folgende Fragen wird verhandelt:

Zum Thema Rückblick: Der gescheiterte Klimagipfel in Den Haag Emissionshandel: Die Industriestaaten müssen ihre Reduktionsverpflichtungen nicht unbedingt zu Hause erbringen. Die Idee: Ein Unternehmen spart beispielsweise durch die Umstellung eines Kraftwerks zur Stromerzeugung von Kohle auf Gas Kohlen-dioxid (CO2) ein. Dadurch erwirbt es Emissionszertifikate, die ein anderes Unternehmen, dem eine solche Modernisierung zu teuer ist, kaufen kann, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Damit der Handel funktioniert, müssen sich die Vertragsstaaten auf Regeln einigen. Wer darf handeln? Nur Staaten oder auch Unternehmen? Was gilt als Emissionsminderung, und wie werden Zertifikate berechnet? Und wer überwacht den Handel, um Scheingeschäfte zu verhindern?

Senken: Pflanzen brauchen zum Wachstum Kohlendioxid. Bei der Fotosynthese speichern sie den Kohlenstoff und geben Sauerstoff ab. Sie entziehen der Atmosphäre CO2

Sie wirken als so genannte Senken. Vor allem Japan, Kanada und die USA verlangen, dass sie ihre Reduktionsverpflichtungen auch über Senken erbringen dürfen. Das Problem: Stirbt ein Wald durch Schädlingsbefall, Verrottung oder Brände ab, gibt er gespeichertes CO2

wieder ab. Senken sind also nur vorübergehende Speicher. Unklar ist zudem, wie sie berechnet werden. Die EU ist skeptisch. Zumal die Anrechnung von Senken in Entwicklungsländern ein Anreiz sein könnte, Urwälder abzuholzen und als Plantagen wiederaufzuforsten, um sich diese Monokulturen dann gutschreiben zu lassen. An der Senken-Frage scheiterte die Klimakonferenz in Den Haag im November 2000.

Saubere Entwicklung: Um den Entwicklungsländern einen Anreiz zu geben, Klimaschutz zu betreiben, bevor sie selbst Reduktionsverpflichtungen übernehmen, gibt es den Saubere-Entwicklungs-Mechanismus (SEM). Finanzieren Industriestaaten in Dritte-Welt-Ländern eine klimafreundliche Energieversorgung, sollen ihnen diese Leisungen teilweise gutgeschrieben werden. Der Vorteil: Die Entwicklungsländer übernehmen keine veralteten klimaschädlichen Kraftwerke aus Industrieländern, sondern profitieren von modernen Energietechniken. Für die Industriestaaten kann diese Strategie deutlich billiger sein, als zu Hause aus einem modernen Kraftwerk durch kostspielige Aufrüstungen noch ein paar Prozent Emissionsminderung herauszuholen.

Zusammenarbeit: Industriestaaten dürfen auch gemeinsam Reduktionsverpflichtungen erbringen, durch so genannte Joint-Implementation-Projekte. Sie zielen vor allem auf Osteuropa. Finanziert ein Industriestaat die Modernisierung eines veralteten Kohlekraftwerks in Russland, darf er sich einen Großteil der eingesparten Emissionen gutschreiben. Mit diesem Instrument könnte CO2

eingespart werden. Umstritten ist, wie bei den CDM-Projekten auch, was finanziert werden darf. Gelten Atomkraftwerke als anrechnungsfähig? Sind auch Senken-Projekte wie Wiederaufforstungen akzeptabel? Wer kontrolliert, ob die Projekte umgesetzt wurden?

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