Kultur : Klötze sind Kunst

Katrin Hillgruber

In Peking steht die "Weltachse". Übereinander gestapelte blaue Kuben heben sich vom klassischen Ensemble des chinesischen Kaiserpalastes ab und treten in Dialog mit ihm. Jürgen Partenheimers Skulptur ist weit gereist: nach Den Haag, dann ans Ufer des Jangtse, nach Peking und zurück in heimatliche Gefilde, in einen Innenhof-ähnlichen Raum des Bonner Kunstmuseums. Am eindrucksvollsten aber markiert sie wohl im riesigen Kaiserpalast, der Verbotenen Purpurstadt, den Einbruch der Moderne.

Von der "Poesie der Rationalität" spricht der Kunsthistoriker Liu Xiaochun, der Partenheimer bei der diffizilen Standortwahl begleitete. Im Jahr 2000 hatte der abstrakte Zeichner zwei große Ausstellungen in der Nationalgalerie Peking und im Nanking Museum. Die ultramarinblaue "Weltachse" im verschneiten Peking bildete den nicht nur symbolischen Mittelpunkt eines deutsch-chinesischen Kulturaustausches, der durch Partenheimers erste China-Reise 1996 in Gang gekommen war. Von "kultartiger Begeisterung" in der Pekinger Kunstszene sprach damals Yang Yingshi von der Tageszeitung "China Daily": Die abstrakte Schönheit von Partenheimers Werken sei überzeugender und eindringlicher als die meiste zeitgenössische Kunst Chinas.

Artisten und Schirmherren

Die erstaunlich offene Debatte fand im März dieses Jahres als prominent besetztes Symposium im Kunstmuseum Bonn ihre Fortsetzung. An ihm nahmen die Architektin Gesine Weinmiller, der Filmemacher Alexander Kluge, der Lyriker Durs Grünbein und Xu Huping, Direktor des Nanking Museums, teil. "Crossmapping - Partenheimer in China" heißt das Ergebnis in Buchform (herausgegeben von Michel Gaißmayer und Dieter Ronte, Richter Verlag Düsseldorf). Dieses Ereignis war Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Einladung in seinen Berliner Amtssitz wert. Artisten des Chinesischen Staatszirkus zeigten ihre so ganz andere Kunst vor einer Projektion der "Weltachse" am Jangstse, und Wolfgang Clement sprach als weiterer Schirmherr gewohnt kernige Worte. Nanking ist die Partnerprovinz von Nordrhein-Westfalen.

Missverständnis als Kunststück

Der einigermaßen rätselhafte Begriff des "Crossmapping" meint die schöpferische Kombination zweier Landkarten, zweier Landstriche und ihrer unterschiedlichen Mentalitäten. Die zwangsläufigen Missverständnisse empfiehlt Alexander Kluge als Fehler ins Verstehen mit einzubeziehen und als Erkenntnismittel zu gebrauchen. In diesem Sinne hat der Dialog gerade erst begonnen.

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