Kultur : König Huxleys Dissidenten hinterfragen das Glück

Ulrich Karger

Prinzessin Metaphysika, Platonicus-Kanticus und Kalle Max durchschreiten einen magischen Spiegel: in das Land Philosphica. Der Vater der Prinzessin, König Huxley, will seinen Untertanen einen Zaubertrank verabreichen, der alle für immer glücklich machen soll. Was bezweckt der König wirklich? Was heißt "glücklich sein"? Was macht den Menschen zum Menschen? Gut, dass Lasse Aristotel den dreien einen redegewandten Wanderstab namens Kognitum mitgegeben hat. Nach zwölf abenteuerlichen Begegnungen, die mit den Fragen "Was kann ich wissen?", "Was soll ich tun?" und "Was darf ich hoffen?" überschrieben sind, verlassen die Helden Philosophica wieder. Nach ihrer Ankunft werden sie von König Huxley in den Elfenbeinturm gesperrt. Die Grundsatzfrage stellt sich: "Wozu das alles?" Trotz der Bequemlichkeiten in diesem Turm ist sich das Trio bald einig, dass die erworbenenen Kenntnisse in sinnvolles Handeln für die Allgemeinheit zu münden haben. Gegen einen Tyrannen wie König Huxley muss Widerstand geleistet werden - das gelingt am Ende gar ohne Blutvergießen.

Im Gefolge von Jostein Gaarders "Sophies Welt" will Markus Tiedemann zur phantastischen Reise durch die Philosophie verführen. Hochmotivierte, sehr lesegeübte Jugendliche frühestens ab 14 Jahren werden dieser Einführung in die Welt philosophischer Fragen womöglich etwas abgewinnen können, aber setzt aber Leseerfahrung und Vorkenntnis voraus. Insofern ist der aufs Geheimnisvolle setzende Gaarder jüngeren Lesern didaktisch näher als Tiedemann. Eingesetzt im Ethik- oder Religionsunterricht oder als Einstiegslektüre für philosophische Erstsemester könnte "Prinzessin Metaphysika" jedoch ein Hit werden. Die Rahmengeschichte ist spannend und hat Charme, zumal sich Platonicus-Kanticus in Prinzessin Metaphysika verliebt.Markus Tiedemann: Prinzessin Metaphysika. Eine phantastische Reise durch die Philosophie. Georg Olms Verlag, Hildesheim 1999. 308 Seiten. 39,80 DM. Ab 14 Jahren.

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