Kultur : König, Ritter, Troll

Christine Wahl

Der Ritter als solcher ist ja nicht mehr so en vogue. Umso verdienstvoller, dass sich das Junge Ensemble Stuttgart dezidiert mit diesem Berufsbild auseinandersetzt. Unter dem Motto King A – Eine Ode an jedes Ritterherz (2.5., 18 Uhr, 3.5., 10.30 und 18 Uhr) können Zuschauer ab neun Jahren im Theater an der Parkaue in die Legende von König Artus und seiner Tafelrunde eintauchen und nebenbei die Frage beackern, ob die Karriere, die Liebe oder die Freundschaft die größten Aussichten auf umfassendes Seelenheil im Leben birgt.

„King A“ ist eines der Auftakt-Gastspiele des Festivals „Augenblick mal!“, einer Art Theatertreffen der Kinder- und Jugendsparte, zu dem zwölf herausragende Inszenierungen deutscher Bühnen vom 2. bis zum 7. Mai nach Berlin eingeladen wurden. Komplettiert wird die nationale Leistungsschau, die neben dem Theater an der Parkaue auch im Hebbel am Ufer und der Schaubude stattfindet, durch internationale Gastspiele und Diskussionen. Das Themenspektrum reicht von Ausgrabungen für Geschichtsfreaks à la Spartacus (6.5., 15 und 20 Uhr, 7.5., 10.15 Uhr im Theater an der Parkaue) über Familienstücke, die sich an so schwierige Themen wie geschwisterliche Konkurrenz, demenzkranke Eltern oder den plötzlichen Tod des Vaters wagen, bis zur Ghetto-Realität Pariser Vorstädte.

Einen Beitrag zur aktuellen Debatte über Mutterschaft, Kinder, Karriere und Co. leistet die Münchner Schauburg mit ihrer Inszenierung Das Trollkind (3.5., 10.30 und 15.30 Uhr) im HAU 2 für Theaterfans ab neun: Eine offenbar nicht sehr belastbare Trollin lässt darin ihr freches Kind einfach im Wald zurück und greift sich stattdessen ein artiges Menschenkind, das ein junges Paar beim idyllischen Sonntagsritt verloren hat. Das traurige Paar wiederum nimmt sich voller Mitleid des allein gelassenen Trollsprösslings an und schlittert bald in eine veritable Beziehungskrise. Entfremdung spielt auch eine Rolle in der Koproduktion des Theaters an der Parkaue mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar Amoklauf mein Kinderspiel (2.5. und 3.5., jeweils 11 und 18 Uhr im Theater an der Parkaue). Thomas Freyers Stück setzt sich mit Identitätssuche und Gewaltfantasien der Nachwende-Jugend auseinander. Es inszeniert der 27-jährige Regisseur Tilmann Köhler, der mit seiner Weimarer Arbeit „Krankheit der Jugend“ eine Woche später auch zum Theatertreffen eingeladen ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben