KÖNIGLICHE PORZELLANE„Raffinesse & Eleganz“ : Nichts für Elefanten

Christina Tilmann

Er sammelt alles Mögliche: Seltene Bäume für seinen Park, kostbare Porträt-Miniaturen des 18. Jahrhunderts, Nilpferde aus jeglichem Material – und seit 15 Jahren auch europäische Porzellane des frühen 19. Jahrhunderts. Richard Baron Cohen, der auf einer Insel vor Long Island in einem Haus lebt, das dem Petit Trianon in Versailles nachempfunden ist, mag ein typischer Amerikaner sein. Sein Herz schlägt für die europäische Kultur der Aufklärung.

Die Porzellansammlung, die er innerhalb kürzester Zeit zusammengetragen hat und die nun als zweite große Ausstellung des Jahres nach dem Pferdemaler Franz Krüger im Schloss Charlottenburg präsentiert wird, kündet von dieser Faszination: Auch die Berliner Porzellan-Manufakteure waren zu Beginn des 19. Jahrhunderst zunächst vom griechischen, dann vom französischen Stil beeinflusst, bis sie mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur einen eigenen Berliner Stil fanden. Besonders beliebt waren Panorama-Vasen wie die mit dem Blick auf Potsdam, gesehen von Schloss Sanssouci aus. Sehr viel anders sieht es auch heute nicht aus.

Das Thema hat durchaus noch Überraschungen parat. Während der Bearbeitung der Cohen-Sammlung wurde sowohl das KPM–Archiv als auch das Geheime Staatsarchiv durchforstet. Beide waren zu Mauerzeiten zwischen Ost-Berlin, Merseburg und Dahlem verstreut. Deshalb war ein Überblick kaum möglich. So kommt es, dass auf diesem klassischen Gebiet für Wissenschaftler auch im 21. Jahrhundert durchaus noch Pionierarbeit zu leisten ist. Besucher können sich derweil am preußischen Prunk erfreuen. Christina Tilmann

Schloss Charlottenburg, Sa 28.7. bis So 4.11.,

Di-So 10-17 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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