Kolumne Kunst & Markt : Sitzen bleiben

Jahrelang haben die beiden Galeristinnen ihre Zelte in immer neuen Berliner Räumen aufgeschlagen. Nun sind Christiane Bühling-Schultz und Karin Rase sesshaft geworden - und zeigen zur Premiere ihrer neuen Räume Arbeiten von Angelika Arendt.

Matthias Reichelt
"Babel" (2013), Tusche auf Papier, 80 x 60 cm
"Babel" (2013), Tusche auf Papier, 80 x 60 cmFoto: Angelika Arendt

Bislang waren sie Handlungsreisende in Sachen Kunst: Christiane Bühling-Schultz und Karin Rase, bekannt als „C&K unterwegs Galerie“. Nun haben sie dem Nomadentum Adieu gesagt, sind sesshaft geworden und teilen sich Räume mit der Kunststiftung K52. In ihrer ersten Ausstellung (Joachimstraße 17, bis 5. April) zeigen sie Arbeiten von Angelika Arendt, mit der sie eine längere Zusammenarbeit verbindet – auch als Herausgeberinnen des ersten umfassenden Werkkatalogs.

Strich um Strich, Zellteilung um Zellteilung wachsen Arendts Tuschezeichnungen zu filigranen Gebilden, die an Ornamente oder verwunschene Landschaften erinnern. Die meisten Zeichnungen (Preise: 900–2500 Euro) beginnt sie ohne Vorstellung eines fertigen Bildes, folgt einem offenen Prozess. Rhizomhaft verästelt setzen sich die Stränge fort und durchlaufen alle möglichen Formen, bilden Cluster und öffnen beim Betrachter ein weites Feld von Assoziationen. An erster Stelle freilich steht die Natur, aber auch Spuren aus der Tierwelt glaubt man zu sehen. Eine Ausnahme macht das Bild „Babel“, an dem Angelika Arendt vier lange Monate arbeitete. Dabei orientierte sie sich an Bildern von Pieter Bruegel, dem Älteren. Die Details sind so kleinteilig und dabei genau, dass die Galeristinnen schon eine Lupe danebenhängen wollten, um die Besucher die labyrinthhaft verschlungenen Wege zur Spitze des Turms mit den Augen folgen zu lassen.

Arendts Skulpturen setzen einen üppigen Kontrast. In Farbigkeit und Gestalt erinnern sie an Korallenriffe und scheinen den Tiefen tropischer Meere entsprungen. In Wirklichkeit handelt es sich um Nippes. Um Porzellan- oder Glasfiguren, die Angelika Arendt in Trödelläden findet und deren Form ihr vielversprechend genug erscheinen, um sie mit ihrer Technik zu bearbeiten. Die Künstlerin legt einen dicken Mantel aus unterschiedlich gekneteter und gerollter Modelliermasse um die Figuren, deren Gestalt unter der abstrakten Überformung verschwindet. Nur im Wissen um die Struktur gebende Figur ist diese überhaupt noch zu erahnen. Das Farbspektrum der Modelliermasse hat Arendt in langwierigen Experimenten entwickelt. Die 1975 in Süddeutschland geborene Künstlerin studierte in Reutlingen Textildesign und in Karlsruhe Malerei. Besonders das erste Studium begründet ihr Interesse an kunstfremdem Material, auf Oberflächengestaltung und Farbgebung. So schuf sie lange Zeit mit Polyurethanschaum viel beachtete Raumskulpturen. 2008 erfolgte eine Zäsur, ihr Interesse verschob sich zur Tuschezeichnung und kleinen Skulptur.

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