Kolumne : Überall Konkurrenten

Schon im Kindergarten ging es los mit dem Kampf um Klötzchenressourcen. Anselm Neft über seinen Umgang mit der Konkurrenz, die überall lauert.

Anselm Neft

Ich habe Konkurrenten, denn ich bin selbstständig, was bedeutet, dass ich ständig selbst arbeite – nicht mit anderen, sondern gegen andere. Das klingt anstrengend, aber das Leben ist kein Ponyhof. Wenn ich nicht stetig mehr Marktanteile erwerbe, nehmen andere meine Marktanteile weg, bis ich ganz vom Markt verdrängt bin. Stagnation bedeutet Tod. Überall sind Konkurrenten. Nicht nur unter den schreibenden Mitbewerbern. Raum- und Luftkonkurrenten in der U-Bahn, Zeitkonkurrenten in der Schlange im Supermarkt, auf der Autobahn. Es ging im Kindergarten mit dem Kampf um knappe Klötzchenressourcen los. Heute mag ich Kinder eigentlich ganz gerne. Sie sind zurzeit keine Konkurrenten. Allerdings sind Kinder auch nicht ungefährlich. Ich stelle mir meine Nervenkraft gerne als Balken vor, wie die Lebensenergie in einem Computerspiel. Das Herumhopsen, die schrillen Schreie lassen meinen Balken schrumpfen, ich bekomme meine Arbeit nur noch halb so gut gemacht, und wer lacht sich ins Fäustchen? Die Konkurrenz.

Meiner Freundin muss ich erklären, dass ich mir wegen der Konkurrenz emotionalen Tumult und Streit nicht leisten kann. Sie soll mit mir ein Team bilden, das sich zur Exzellenz hin optimiert. Am liebsten wäre mir, meine Freundin würde mir für meine Karriere den Rücken stärken, aber sie will selbst Karriere machen. Eigentlich sind wir Konkurrenten.

Manchmal lächeln mich wildfremde Menschen auf der Straße an, als ob sie einen Dachschaden hätten. Was wollen die von mir, frage ich mich. Trotzdem lächele ich hin und wieder zurück. Ein Lächeln kostet nichts. Außerdem darf man Menschen nicht nur als Konkurrenten sehen. Immerhin könnten es auch potenzielle Kunden sein. Oder wichtige Bausteine beim Networking. Networken sollte man Tag und Nacht und vor allem beim Mittagessen. Wo sind die wichtigen Leute, die Entscheider, die, die wissen: Zukunft ist gut für uns alle?

Restaurant Borchardt, am Gendarmenmarkt, Französische Straße 47.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben