Kultur : Kongress der Guten

Ärzte gegen den Atomkrieg laden zur „Kultur des Friedens“

Claudia Keller

1000 Leute im Saal, und alle sind einer Meinung: Das gibt es wohl nur bei der Friedensbewegung. Dass der Krieg im Irak noch lange nicht zu Ende ist und dass man ihn auch im Nachhinein nicht rechtfertigen kann, ist Konsens beim dreitägigen Kongress „Kultur des Friedens“ in Berlins Akademie der Künste und der Technischen Universität. IPPNW, die internationale Vereinigung der Ärzte gegen den Atomkrieg hat Wissenschaftler und Vertreter internationaler Organisationen eingeladen, darunter den amerikanischen Politikexperten Norman Birnbaum und Hans von Sponeck, den ehemaligen stellvertretenden UN-Generalsekretär.

Am Freitag ging es vielfach um das Interesse der amerikanischen Politik, Märkte zu öffnen: Die Bush-Regierung habe in einem „Masterplan für das 21. Jahrhundert“ die amerikanische Vormachtstellung auf dem Globus als ihr Ziel angekündigt. Der 11. September sei ihr deshalb gerade recht gekommen, meint Norman Birnbaum. Die schlechte Schulbildung vieler Amerikaner und gezielte Falschinformationen hätten bewirkt, dass Bush mit der Aufteilung der Welt in Freund und Feind erfolgreich sein konnte. Deutschland komme bei einer differenzierten künftigen Irak-Politik nun eine „pädagogische Schlüsselrolle“ zu. Birnbaum rät der Bundesregierung, nicht allzu schnell auf Versöhnungskurs mit den USA zu gehen oder sich als Polizisten im Irak einspannen zu lassen. Außerdem sei es an der Zeit, dass die deutschen Sozialdemokraten mit den linken Demokraten in den USA zusammenarbeiten. Dass man sich allein auf Bill Clinton verlassen habe, sei ein Fehler gewesen.

Vertreter der Dritten Welt fühlen sich ganz konkret bedroht durch die unilaterale Politik der USA. Neville Alexander von der Universität Kapstadt, ein früherer Mitkämpfer Nelson Mandelas, fürchtet gar, dass mit dem Irak-Krieg „der dritte Weltkrieg gegen die Menschen der dritten Welt ausgebrochen ist“. Denn kein Staat sei mehr sicher – auch nicht Europa –, wenn der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklären könne, dass die US-Regierung ihren Willen jedem „Schurkenstaat“ aufzwingen könne, die als so genannte Bedrohung identifiziert worden sei. Das sei nichts anderes als „ein Fall des klassischen Imperialismus und Hurra-Patriotismus“.

Was wäre also zu tun gegen die amerikanische Vormachtstellung? Birnbaum befürwortet die Aufrüstung der EU-Staaten als Gegenmacht zu den USA; gegen die „Achse der Falschinformation“ schlägt Hans von Sponeck eine „Information Rights Watch“ vor. Und alle sind sich einig, dass die Uno gestärkt werden muss.

Der Kongress tagt bis Sonntag, den 4. Mai, jeweils ab 9 Uhr in der Technischen Universität, Straße des 17. Juni. Am Sonnabend stellt sich unter anderem Attac vor, am Sonntag spricht Hans-Peter Dürr. Das vollständige Programm ist im Internet zu finden unter www.kultur-des-friedens.de

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