• Konstantin Grcic im Interview: "Für mich ist es wichtig, nicht in die Falle der Selbstreferenz zu tappen"

Konstantin Grcic im Interview : "Für mich ist es wichtig, nicht in die Falle der Selbstreferenz zu tappen"

Designer-Größe Konstantin Grcic stellt in der Galerie Max Hetzler erstmals in einer Kunstgalerie aus. Ein Gespräch über das Verhältnis von Kunst und Design, Spielwitz und seinen berühmten Gitterstuhl.

Jens Müller
Foto: dpa
Zur Person

Es ist richtig, dass „Chair_One“ das bekannteste Möbel von mir ist. Es ist natürlich fantastisch, dass es so etwas überhaupt gibt. Gleichzeitig kann es ein Problem sein, wenn man auf das eine bekannte Ding reduziert wird. Für mich ist es wichtig, nicht in die Falle der Selbstreferenz zu tappen. Es gibt Künstler, die eine ganze Karriere lang an einem Thema arbeiten, darunter die besten Künstler der Welt. Dan Flavin zum Beispiel hat irgendwann angefangen, mit Neonröhren zu arbeiten und dieses Thema nie wieder losgelassen. In seinem Fall finde ich das großartig. Aber auf meine Disziplin übertragen ist es unspannend. Ich strebe danach, immer wieder neue Ideen auszuprobieren. Das hat auch ein gewisses Risiko. Man betritt unbekanntes Terrain und stellt sich Aufgaben, die man nicht völlig einschätzen kann. „Chair_One“, dieser Gitterstuhl aus Aluminium, war so ein Beispiel. Es ist das Ergebnis langjähriger Versuche, einen Stuhl zu bauen, der ausschließlich aus Konstruktion besteht. In dem Moment, in dem der Stuhl fertig war, war das Projekt für mich abgeschlossen.

Ist der „Pallas“-Tisch ihr Lieblingsstück? Sie hatten Ihn auch für Ihre Ausstellungen im Vitra Design Museum und in der Kunsthalle Bielefeld ausgewählt.

„Pallas“ gehört auf meine Liste persönlicher Lieblingsstücke. Hier zeigen wir ihn mit zwei unterschiedlich roten Autolacken. Rot ist eine assoziative Farbe, bei einem roten Auto denkt man an einen Sportwagen. Ich finde, dass etwas von diesem Gefühl auf die Tische abfärbt. Wir haben sie auch wie Autos in der Galerie ausgestellt, als stünden sie in Parkbuchten. Das ist das Spiel damit.

Sie stellen überhaupt gerne und viel aus, Ihre eigenen Designs, aber auch die anderer. Ist an Ihnen ein Kurator verloren gegangen?

Nein. Ich mag Ausstellungen - vor allem als Besucher. Nicht nur wegen der Arbeiten, die man dort sieht. Ausstellungsgestaltung ist eine spannende Disziplin, und sie beinhaltet viele Parallelen zu meiner Arbeit als Industriedesigner. Es gibt auch hier den Anspruch an die Funktion: Eine Ausstellung sollte informieren und unterhalten. Es bedeutet aber nicht, dass ich große Ambitionen als Kurator habe. Ich kenne echte Kuratoren, ich habe zu viel Respekt vor dem, was die leisten.

Warum sind Sie kein Künstler geworden? War das einmal eine Option?

Meine Mutter hatte eine Galerie für zeitgenössische Kunst. In meiner Kindheit spielte das eine große Rolle. Ich erinnere mich daran, dass oft Künstler bei uns zuhause waren. Meine Schwester und ich durften bei Atelierbesuchen dabei sein, das hat mir am meisten imponiert. Ich mochte den Lebensentwurf der Künstler, der Arbeit und Leben verbindet. Als es für mich nach dem Abitur darum ging, was ich werden wollte, habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich an der Kunstakademie zu bewerben, aber dann eine Schreinerlehre gemacht. Heute bin ich sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Über das Handwerk habe ich meine Leidenschaft für Design entdeckt, im Speziellen für Möbeldesign.

Ihr Büro ist in München, Ihre Familie lebt in Berlin, Sie wohnen in beiden Städten.

Ja, ich lebe in Berlin, mein Büro ist in München. Aber auch hier in Berlin habe ich ein kleines Büro.

In Berlin geht es ja meistens um die Kunst. Hat Berlin überhaupt so eine Design-Szene wie München?

Es wird behauptet, dass München eine Design-Stadt ist. Das liegt vielleicht daran, dass sich im Umfeld von BMW, Siemens, Audi eine gewisse Szene an Büros und Dienstleistern angesiedelt hat. Es gibt eine Vielzahl guter Designer - das schätze ich sehr. Aber ich will nicht behaupten, dass es das in Berlin nicht auch geben würde. Die beiden Städte sind sehr unterschiedlich, aber am Design liegt das nicht.

Ein Komplettumzug ist aber keine Option?

Das Modell dieser beiden Standorte und die Unterschiedlichkeit der Standorte empfinde ich als große Bereicherung.

Galerie Max Hetzler, Goethestr. 2/3, bis 23.12.; Di bis Sa 11-18 Uhr.

Das Gespräch führte Jens Müller.

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