Konzert von Matisyahu : König ohne Krone

Das Schlusskonzert seiner Europa-Tournee gab Matisyahu in Berlin. Die akustische Verarbeitung seiner Songs wirkt allerdings unvorteilhaft.

Alexandra Belopolsky
Matisyahu und Gitarrist Dave Holmes beim Konzert in der Böll-Stiftung.
Matisyahu und Gitarrist Dave Holmes beim Konzert in der Böll-Stiftung.Foto: Alexandra Belopolsky

Akustische Konzerte sind wie Fotos ohne Schminke – Makel werden sofort deutlich. Nicht alle Künstler können diese Prüfung bestehen. Der US-amerikanische Reggae-Musiker Matisyahu hat mit seinem Auftritt in der Heinrich-Böll-Stiftung nicht überzeugt. Auf der deutlich zu großen Bühne, wo zuvor beim Jewish Culture Day über Antisemitismus diskutiert wurde, wirken Matisyahu und sein Gitarrist Dave Holmes etwas verloren. So ganz ohne Effekte wird klar: Die Musik ist leider nur Mittelmaß.

Als Matisyahu seine Karriere 2004 startete, gehörte er der jüdisch-orthodoxen Chabad-Strömung an. Mit dem „Reggae-Rabbiner“ hatten die Orthodoxen endlich ihren eigenen Rockstar und alle anderen hatten etwas zum Staunen. Als er 2011 seinen Bart abrasierte und die Orthodoxie hinter sich ließ, sorgte er für Schlagzeilen. Kürzlich gab es wieder Aufregung um ihn: Das spanische Rototom Sunsplash Festival forderte eine politische Erklärung zu einem Palästinenserstaat. Er lehnte ab, wurde ausgeladen und nach öffentlicher Kritik an den Festivalmachern wieder eingeladen.

Müder Sänger, müde Stimme

Der 36-Jährige besitzt in der Regel eine starke, klare Stimme. Doch beim letzten Konzert seiner Europa-Tournee ist sie schon – wie der Sänger selbst – müde. Während der A-capella-Version von Bob Marleys „Soul Rebel“, mit der das Konzert beginnt, bricht Matisyahu an einem Punkt gesanglich fast völlig zusammen. Kein guter Start. Im Laufe der Show wärmt sich seine Stimme zwar auf, bleibt aber zum Teil heiser.

Reggae lässt sich nicht so einfach akustisch arrangieren. Um das Stakkato der Deklamation in fließenden Gesang zu verwandeln, so wie es Matisyahu versucht, bedarf es schon in der Originalversion eines melodischen Flusses. Daran mangelt es Matisyahus Show an vielen Stellen. „Temple“ klingt gebrochen, „Crossroads“ monoton. Die Mängel versucht Matisyahu mit minutenlangen Beatbox-Segmenten zu kompensieren. Zusammen mit der Gitarre erzeugen sie aber einen Klang, der eher an Kaufhausmusik als an Bob Marley erinnert. Einer seiner Hits heißt „King without a Crown“. Matisyahu fehlt an diesem Abend mehr als nur die Krone.


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