Kultur : Konzerthaus: Hanns Eisler lächelt - Kammermusik

Volker Straebel

Paul-Heinz Dittrich gehört zu jenen Komponisten, deren Werk ohne Kenntnis der gesellschaftlichen Umstände seiner Entstehung nicht zu würdigen ist, es auf diese zu reduzieren jedoch eine ungerechte Vereinfachung bedeutet. Solchen Angriffen fand sich Dittrich, der am 4. Dezember seinen siebzigsten Geburtstag beging, Zeit seiner Lebens ausgesetzt. In der DDR wegen der Vertonung unerwünschter Autoren von seinem Dozentenposten an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" entfernt, blieb ihm nach der Wende größere Aufmerksamkeit vorenthalten. So war dann auch das verspätete Geburtstagskonzert im Konzerthaus ein kammermusikalisches und ließ das mächtige musiktheatralische Werk Dittrichs unberücksichtigt. Einblicke in das Vokalschaffen gewährten der aufgeräumte Joachim Vogt mit den "Vier Liedern" zum Tode des Mentors Paul Dessau und Brenda Mitchell, die im Verein mit der Flötistin Carin Levine in "Voix interieure" (1979) Paul Celans Rätselworte in einen organischen Fluss übersetzte. Die künstliche Ablösung von anlautendem Konsonant und klingendem Vokal weist dabei auf Dittrichs Interesse an phonetischen Analysen. Unter den Händen von Frank Gutschmidt, der einst bei Dittrich Komposition studierte, wurde die halbstündige "Klaviermusik V" (1996) zum gefeierten Höhepunkt des Abends. Dem seriellen Idiom verpflichtet und rhythmisch ebenso vertrackt wie die Klavierstücke Stockhausens, schälen sich in der "Klaviermusik V" wiederholte Zentraltöne heraus, die den Boden bereiten für impressionistisch verschattete Passagen. Gutschmidts bekannte Sensibilität für klangliche Differenzierung diente der fragmentarischen Anlage der Form, ohne dialektische Übertreibungen zu gebären. So verbraucht das Urteil einer kongenialen Interpretation auch klingen mag, hier ist es angebracht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben