Konzertkritik : Yusuf, der früher mal Cat Stevens hieß

Zum ersten Mal nach 35 Jahren Tourneepause gibt er wieder ein Comeback. Und was für eines: Yusuf hat nichts von dem verlernt, was Cat einst hatte, eigentlich klingt seine Stimme heute noch besser als damals.

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Zeichen und Wunder. Yusuf dirigiert den Soundcheck. Beim Konzert waren keine Fotografen zugelassen.
Zeichen und Wunder. Yusuf dirigiert den Soundcheck. Beim Konzert waren keine Fotografen zugelassen.Foto: Roland Owsnitzki

Kurz nach acht in der Berliner O2-World: Das Saallicht geht aus, eine einsame akustische Gitarre ist zu hören, dann großer Jubel, als ein bebrillter, graubärtiger Mann langsam ins Licht tritt und, begleitet von seiner Gibson J-200-Gitarre, zu singen beginnt: „Back up on the mended road I pause taking time to check the dial.“

Wer ist dieser Mann, der mit warmer Stimme davon singt, zurück zu sein auf einer reparierten Straße? „Yusuf“ steht auf der Eintrittskarte, auf einigen Plakaten und in vielen Ankündigungen stand: „Cat Stevens“. Sicher sind an diesem Abend fast alle der auch von weither angereisten 10 000 Menschen in der nicht ganz ausverkauften Halle, um Cat Stevens zu hören. Zum ersten Mal nach 35 Jahren Tourneepause. Doch sie müssen Vorlieb nehmen mit Yusuf Islam, der wie ein klassischer Folksänger auf einem hohen Barstuhl hockt und sich als Künstler inzwischen nur noch Yusuf nennt.

Das Auftaktstück „Lilywhite“ aus dem Album „Mona Bone Jakon“ von 1970, „The Wind“ und „Blackness of the Night“ sind schöne alte Songs dessen, der er früher einmal war: Cat Stevens, der hübsche Love-and-Peace-Hippie-Prinz von einst, für den fast alle jungen Mädchen in den sechziger und siebziger Jahren schwärmten. Mit seinem einschmeichelnden, melodiösen Folkrock wurde der 1948 in London geborene Steven Demetre Georgiou als Cat Stevens zum Superstar. Doch das Rockstarleben und der Rummel um seine Person setzten dem ständig nach Lebenssinn suchenden Einzelgänger derart zu, dass er Ende der Siebziger, angewidert von der Hohlheit des Popgeschäftes, alle Gitarren verkaufte und den Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke spendete. Schließlich konvertierte er von Sex, Drogen und Rock’n’Roll zum Islam, von Cat zu Yusuf. Das, was ihm viele Jahre am wichtigsten gewesen war und was er am besten konnte – Singen, Gitarre spielen, Songs schreiben – gab er auf für einen neuen Glauben. Er verschwand weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein, bis er in einer englischen Fernsehtalkshow mit rechtfertigenden Äußerungen zum vom Ajatollah Chomeini verhängten Todesurteil über Salman Rushdie erneut Furore machte und die alten Cat-Stevens-Fans erschauern ließ.

Doch die politischen Kämpfe scheinen vorbei, Yusuf fand zur Musik, zur Gitarre, zum Gesang zurück und versöhnte sich mit seinem alten Ego Cat Stevens. Er zieht den Mantel aus und macht es sich gemütlich in einem Bühnenbild aus alten Straßenlaternen, Backsteinmäuerchen, Mülleimern, Nachthimmel. Die Kulissen erinnern frappierend an das Cover von David Bowies Album „Ziggy Stardust“, das von einem Rockstar erzählt, der sich von seinen Fans entfremdet und an seinem exzessiven Lebensstil zugrunde geht. Zufall oder Zitat?

Yusuf hat nichts von dem verlernt, was Cat einst hatte, eigentlich klingt seine Stimme heute noch besser als damals. Tiefer, reifer, vielleicht sogar weiser. Und sie hat nicht mehr diese leicht meckerige Ziegenhaftigkeit von früher. Yusuf agiert angenehm entspannt, lässig, uneitel. Und der Raumklang in der sterilen Arena am Berliner Ostbahnhof wirkte vielleicht noch nie so ausgewogen und brillant. Nichts klingt übersteuert, auch nicht, als es lauter wird, bei jedem weiteren Song ein weiterer Musiker auf die Bühne kommt und sich der Unplugged-Sound des Beginns auffüllt zur kompletten elektrischen Band mit zwei bis drei weiteren Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards und Hintergrundsängern.

Als freundlicher Geschichtenerzähler und Märchenonkel präsentiert Yusuf mittendrin einen Ausschnitt aus seinem noch unvollendeten Musical „Moonshadow“, in das er eine Reihe seiner alten Hits einbaut. Natürlich sind es die großen Cat-Stevens-Hits, die am meisten von den Fans gefeiert werden, bejubelt und beklatscht: „The First Cut is the Deepest“, „Here Comes My Baby“, „Matthew & Son“, „Father & Son“, „Don’t Be Shy“ und „Morning Has Broken“.

Aber dann sind es doch die neueren Yusuf-Songs von den beiden letzten Alben „Another Cup“ (2006) und „Roadsinger“ (2009), die – vielleicht weil man sie noch nicht in- und auswendig kennt - am meisten herausragen aus einem sehr langen und beeindruckenden Konzert, das mit vier tosend bejubelten Zugaben endet. Alle freuen sich, dass Yusuf/Cat Stevens wieder singt und auftritt, wobei der Name eigentlich gar nicht so wichtig ist. Am Devotionalienstand allerdings ist die Auswahl an Cat-Stevens-T-Shirts bedeutend größer als die von Yusuf.

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