Kultur : Kopfball (29)

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Wir sind im Fi-na-le. Und was passiert, wenn wir tatsächlich Weltmeister werden? Es gibt welche, die sind hier geboren und sagen: Deutschland darf nicht Weltmeister werden. Weil wir nicht wissen, wie wir uns dann verhalten sollen. Jubeln für unser Land? Nationalflagge um den Kopf wickeln und mit Gekreische über den Potsdamer Platz? Nationalhymne grölen? Gemeinsam mit den ganzen Deutschen?

Eher würde man als Freiwilliger in Lederhosen beim Oktoberfest mithelfen. Oder am 1. Mai mit einem Fläschchen Sekundenkleber durch die Straßen gehen und die Mercedes-Sterne wieder ankleben, die man über Jahre hinweg abgeknickt hat. Rumpelfußball, so wird unser Spiel genannt - wie hässlich das klingt. Nach jovialem Schulterklopfen, Schnaps und Dollerei. Nach „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Nach Schwarzbrot.

Das Kaninchen leichtfertig aus dem Hut zaubern können bloß die Brasilianer, unsere begabten Gegner. Wir Deutschen zersägen zwar die Jungfrau, aber danach ist sie auch tot. Die Brasilianer, das sind lebenslustige Gesellen, denn da ist immer schönes Wetter, und alle werden schon mit String-Tanga geboren und können von Natur aus tanzen und Fußball spielen. Und das alles ohne Anstrengung! Brasilien hat Ronaldo und den Zuckerhut, wir haben Jens Jeremies und den Watzmann. Für Brasilien zu sein, ist einfach. Da kann man so schön träumen, vom Ipanema-Girl, Samba und Schirmchengetränken.

Für Deutschland zu sein, ist manchmal anstrengend und kompliziert. Trotzdem, liebe Jeremiesmacher: Traut euch. Lockert die Kieferknochen. Esst den Teller schön leer. Dann werden wir auch Weltmeister.

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