Kultur : Krach um Grien-Bild in Württemberg

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Die Auseinandersetzung um den ursprünglich geplanten Verkauf wertvoller Handschriften und Bilder – Wert: 70 Millionen Euro – durch das Land Baden-Württemberg, das damit Eigentumsansprüche des Markgrafen von Baden abgelten will, hat eine neue, abstruse Wende genommen. Sie betrifft ein Einzelwerk von Hans Baldung Grien, die sogenannte „Markgrafentafel“, die sich in der Karlsruher Kunsthalle befindet. Hier versucht das Land bei der Landesstiftung, diversen Kultureinrichtungen und Sponsoren Geld einzuwerben, um das vermeintlich dem Haus Baden gehörende Werk für das Land zu retten und zu erwerben. Der Freiburger Historiker Dieter Mertens hat jedoch bei Recherchen im Generallandesarchiv Karlsruhe herausgefunden, dass die 1509/10 entstandene Tafel längst dem Land gehört.

Die 8 Millionen Euro, die für den Kauf des Gemäldes angesetzt waren, kann sich das Finanzministerium also sparen. Über Ministerpräsident Günther Oettinger, der gerade die Museen, Bibliotheken und Kulturinstitutionen des Landes aufgerufen hatte, die nötigen Gelder für die Sanierung des Fürstensitzes Schloss Salem einzusparen („3-Säulen-Modell“), ergießt sich nun Spott und Hohn. Er degradiere nicht nur die Kultur zur Handelsware, sondern könne nicht einmal richtig rechnen, heißt es gestern in der „FAZ“, in der Mertens ausführlich darlegt, wie es um die Eigentumsverhältnisse bei Hans Baldung Grien bestellt ist. Großformatig ist zudem das im Karlsruher Archiv gefundene Überlassungsschreiben des Markgrafen Berthold von 1930 abgedruckt, in dem er seinen Verzicht auf die „Markgrafentafel“ erklärt. Aus dem Finanzministerium kam Stunden später nur eine dürre Erklärung: Die Landesregierung nehme den Bericht ernst. Nun würden auch andere Werke geprüft. Tsp

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