Kultur : Krisen und Küche

Wasserstandsmeldungen zur Berlinale 2008

Sechs Wochen noch bis Berlinale-Start, und schon ist relativ viel über das Programm bekannt. Ein Rekord bei den Bewerbungen vermeldet das Festival mit rund 5000 Filmen – 360 davon sollen im offiziellen Programm laufen. Mit mehreren Filmen gewürdigt werden soll der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels. Eine Sonderreihe im Filmkunst 66 feiert den „Aufbruch der Filmemacher“ in den frühen 70ern mit Filmen von Fassbinder, Herzog, Bohm, Wenders und Geißendörfer. Auch die Reihe „Kulinarisches Kino“ wird wieder aufgelegt – unter anderem mit der BBC-Dokureihe „Kochen am Krisenherd“ und dem Animationserfolg „Ratatouille“ am Kinderkochtag.

Die ersten Wettbewerbsfilme stehen fest. Das Festival werde keineswegs nur politische Szenarien vorweisen, beeilt sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick zu versichern. Das letzte Festival hatte im Wettbewerb viel politisch Gutgemeintes, doch relativ wenig filmisch Aufregendes zu bieten gehabt. Doch die ersten Ankündigungen für 2008 klingen nicht unpolitisch: Ein Altmeister des Politthrillers wie Costa-Gavras als Jurypräsident, dazu ein Dokumentarfilm von Errol Morris über Abu Ghraib, ein brasilianischer Blockbuster über die Drogenmafia, Andrej Wajdas in Polen heiß diskutierter Film über das Massaker von Katyn. Das zweite große Thema sei Abschied und Tod, so Kosslick. So erzählt Doris Dörrie in „Kirschblüten“ von einem an Krebs erkrankten Witwer, der chinesische Beitrag „Zou You“ von einem an Krebs erkrankten Kind und „Lake Tahoe“ von einem 16-jährigen, der den Tod seines Vaters verkraften muss. „Gardens of Night“ von Damian Harris beschäftigt sich mit dem Schicksal entführter Kinder, Paul Thomas Andersson zeigt mit der Sinclair-Verfilmung „There Will be Blood“ seinen ersten Film seit „Magnolia“.

Im Forum des Internationalen Films läuft der letzte Teil der Langzeitdokumentation „Kinder von Golzow“, im Panorama neben Filmen von Laetitia Masson, Brad Anderson und Bruce LaBruce Madonnas Regiedebüt „Filth and Wisdom“. Die Perspektive Deutsches Kino zeigt einen Episodenfilm zum 1. Mai, die Jugendreihe Generation 14plus das Debüt der 19-jährigen iranischen Regisseurin Hana Makhmalbaf sowie „Cidade dos Homens“, die Fortsetzung des brasilianischen Kultfilms „City of God“. Die Retrospektive ist Luis Buñuel gewidmet. til

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