Kultursponsoring in den USA : Teure Namen

Der Konzertsaal des New York Philharmonic am Lincoln Center muss dringend renoviert werden. Das soll ein Sponsor bezahlen - der dafür seinen Namen an die Fassade schreiben darf. Ein durchaus übliches Vorgehen in den USA.

Tomasz Kurianowicz
Alan Gilbert und das New York Philharmonic in der Avery Fisher Hall
Alan Gilbert und das New York Philharmonic in der Avery Fisher HallFoto: Chris Lee/ New York Philharmonic

Das Zuhause der New York Philharmonic, die Avery Fisher Hall am Lincoln Center direkt neben der Metropolitan Opera, könnte bald unbenannt werden. Denn die Erben des verstorbenen Elektronikherstellers, Philanthropen und Musik-Enthusiasten Avery Fisher haben sich jetzt mit den Musikern darauf geeinigt, die Rechte an der Namensgebung abzutreten. Fisher hat dem Orchester 1973 zehn Millionen Dollar geschenkt, um eine notwendige Renovierung des erst 1962 eröffneten Konzertsaals zu ermöglichen. Im Gegenzug wurde der Saal nach dem Spender benannt.

Jetzt zahlt die Kulturinstitution den Avery-Erben 15 Millionen Dollar zurück – und kann dafür einen anderen Sponsor damit locken, seinen Namen an der Fassade zu lesen – sofern nun der im Gegenzug die erneute Ertüchtigung des Gebäudes finanziert. 500 Millionen Dollar soll die für kommendes Jahr geplante Umbaumaßnahme kosten.

Es scheint allerdings unwahrscheinlich, dass eine Einzelperson diesen Betrag überweist. Darum dürfte die Konzerthalle künftig eher den Namen eines Konzerns tragen. Viele New Yorker Klassikfans halten diese Art der Geldbeschaffung für problematisch. Denn so findet sich jeder, der den Namen des betroffenen Gebäudes in den Mund nimmt, in der Rolle eines unfreiwilligen Werbepropagandisten wieder. Aber die Institutionen haben keine andere Wahl, weil es in den USA kaum staatlichen Subventionen für die Hochkultur gibt.

Das New York State Theater am Lincoln Center, das Stammhaus des New York City Ballet, trägt seit einer 100-Millionen- Dollar-Spende den Namen des Ölmagnaten David H. Koch. Und die Public Library an der 42. Straße heißt Stephen A. Schwarzman Library, nachdem ein Aktienhändler eine großzügige Spende überwiesen hatte. In Deutschland kennt man das bislang nur von Fußballstadien und Mehrzweckarenen.

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