KUNST Stücke : Hammerkunst

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Gleich zwei Sensationen präsentiert das Berliner Auktionshaus Bassenge in seiner Vorbesichtigung (Erdener Straße 5a, bis 30. Mai). Hier huldigt Christiaen van Couwenbergh der Standhaftigkeit Josephs gegenüber Potiphars Weib. Das 1626 entstandene Frühwerk, das der Delfter Künstler im Stil der Utrechter Carravigisten malte, war 80 Jahre lang nicht öffentlich zu sehen und kommt nun aus Berliner Privatbesitz für geschätzte 70 000 Euro zum Aufruf. Gar 300 Jahre dauerte es, bis Jan Lievens’ um 1657 gemalte „Landschaft mit badenden Nymphen“ (40 000 Euro) jüngst im Rheinland wiederentdeckt wurde – beide werden am 1. Juni während der Frühjahrsauktion versteigert. Prägend für das Frühwerk des niederländischen Malers war Rembrandt, mit dem Lievens in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts eine Werkstatt führte. Rembrandt selbst steht an der Spitze der Auktion von Druckgrafik Alter Meister (31. Mai). Unter den insgesamt 20 Losen ragen zwei Radierungen um den Stammvater Israels heraus. „Abraham, die Engel bewirtend“ zeigt die Verkündigung an die betagte Sarah (18 000 Euro), während „Abraham mit Isaak sprechend“ Vater und Sohn im Moment vor der Opferung darstellt (28 000 Euro). Außerdem bietet das Auktionshaus im Grunewald Neuere Meister und Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart (2. Juni) sowie Fotografien (6. Juni) an. Diese Werke sind jeweils bis einen Tag vor der Versteigerung in der Rankestraße 24 zu sehen.

Die Highlights von Ketterer kann man gesammelt an einem Ort sehen – in der Dependance des Auktionshauses (Fasanenstraße 70, bis 2. Juni). Hier trifft man auf die russische Avantgarde und kann mit Wladimir Georgiewitsch von Bechtejeff „Bogenschützen“ (um 1910) in einer Landschaft beobachten, in der Kubismus und Jugendstil eine reizvolle stilistische Verbindung eingehen (Schätzpreis: 250 000- 350 000 Euro). Oder man konzentriert sich mit Serge Poliakoff auf eine Welt aus Farben und rhythmischen Formen, wie es seine „Composition abstraite orange, jaune, vert, lie de vin“ empfiehlt. Mindestens 250000 Euro soll das Gemälde aus einer süddeutschen Privatsammlung bringen und damit ähnlich viel wie der farbintensive „Abend am See“ von Gabriele Münter – eine paraphrasierte Landschaft, die 1970 von einem amerikanischen Sammler erworben wurde. Aus den USA stammt das Ölgemälde „Study For Nude Painting Print“ von Tom Wesselmann. Ein Akt von 1976 ohne Augen und mit einer Leuchtkraft, die das Werk auf 130 000–150 000 Euro hebt. Andy Warhol ist mit gleich sieben Losen vertreten. Neben einer Farbserigrafie mit typischem „Marilyn“-Porträt (140 000–180 000 Euro) ist ein ein Buch mit 18 aquarellierten Lithografien im Angebot (99 000– 120 000 Euro): Es zeigt ein paar der Katzen, mit denen Warhol und seine Mutter in New York zusammenlebten. Einen Schwerpunkt legt die Auktion auf die Leipziger Schule. Für David Schnells „Schneise“ von 2000, ein Wald voller rasterartig gepflanzter Nadelbäume, erwartet Ketterer 30 000–40 000 Euro. Knapp die Hälfte kostet „Wagenburg“ von Tilo Baumgärtel. Wer mitbieten möchte, muss sich am 9. Juni nach München begeben.

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