KUNST Stücke : Ich glotz TV

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Die Berlinale zieht sich aus den Galerien zurück, die Galeristen füllen die Lücke mit eigenen Projekten. Everything changes heißt eine Ausstellung in der DNA Galerie (Auguststraße 20, bis 31. März) mit Filmen prominenter Künstler. Dazu gehört Gary Hill, dessen Video „Wall Piece“ (2000) zu den schmerzhaftesten Momenten des Rundgangs zählt: Wieder und wieder wirft sich der Künstler gegen eine Wand und formt skulpturale Bilder mit dem eigenen Körper, den Stroboskoplicht für Momente wie erstarrt wirken lässt. Auf der anderen Seite des Raums läuft „Blind“ (2007) von Nezaket Ekeci. Die Performance-Künstlerin hat sich bis auf die Arme eingipsen lassen und schlägt den Panzer nun mit Hammer und Meißel ab – anfangs ohne überhaupt zu sehen, wo sie das Werkzeug ansetzt. Zwischen diesen beiden Extremen körperlicher (Selbst-)Erfahrung spannt die Galerie den Bogen von Tatsumis Orimotos Video, in dem er seine an Alzheimer erkrankte Mutter mit großen Pappschuhen ausbremst, bis zu Zhenchen Luis surrealer Montage „Under Construction“ (2007), die die Umgestaltung der Altstadt von Shanghai noch einmal sichtbar macht. Brutal schnell, quälend langsam oder poetisch verfremdet: Veränderungen vollziehen sich auf viele Arten.

Gegenüber kommentiert die Galerie Deschler (Auguststraße 61, bis 2. April) die Berlinale mit der Ausstellung Aus Film, Funk und Fernsehen. Aus diversen Blickwinkeln beleuchten Holger Bär, Rainer Fetting, Xenia Hausner oder Patricia Wallner die Eigenarten der medialen Bilderwelt. So überzieht Wallner kleine Tafeln aus Styropor mit Strickbildern, die charmant an Bildstörungen erinnern, zitiert Salomé malend die Diven des deutschen TV und setzt Stefan Roloff „Das Wort zum Sonntag“ höchst naturnah als Collage im Gehäuse eines alten Fernsehers um. Auch hier ist Stroboskoplicht im Spiel. Diesmal allerdings, um einer Figur aus Schaumstoff Leben einzuhauchen. Jeder Film ist ein Trick – und die Kunst kann das auch.

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