KUNST Stücke : Jetzt oder nie

Thea Herold

Irgendwann platzte der Knoten, und seither verknüpft die virtuelle Plattform „the drawing lab“ zwei Galerien. Ihre Gründer wissen zwar nicht mehr, wann genau die gemeinsame Wandergalerie entstand. Aber den Grund: Zeichnung! Ihre gemeinsame Leidenschaft. Aktuell zeigt sich das Ergebnis der Kooperation von Jan-Philipp Fruehsorge und Dina Renninger in einer kurzen, prägnanten Gruppenausstellung. Neun Künstler verknoten darin ihre Arbeiten zu einer Komposition für Nadel und Faden. Blickfang ist die buntwollige Installation von Jeongmoon Choi: Schwebend hebelt sie Gesetze der Physik aus. Auch die organische Holzform von Matthias Männer scheint sich an den Boden zu schmiegen und gleichzeitig zu fliegen. Der Dritte unter den Raum-Zeichnern ist Christof Zwirner, dessen minimalistisches Fadenkreuz so selbstverständlich in der Luft hängt, als wäre es immer schon da gewesen. Sein Vorbild, der Amerikaner Fred Sandback, hängt nebenan mit einem Linolschnitt von 1975. Er erinnert an die rätselhafte Schönheit seiner legendären Fadenkunst im Raum und nimmt sie vorweg. Ganz anders perforiert Anila Rubiku das Papier und zeichnete ihre Sewn Memories – da wird nur scheinbar lyrisch im Familienalbum geblättert. Die aktuellen Nähblätter von Michaela Meliàn überziehen robuste Laserprints mit Fäden und metallischem Glanz. Und westöstlich versponnen, aber wie immer überaus fein sind die aktuellen Konstruktionen von gezeichneten Fäden und gestischen Echos von Motoko Dobashi. Hier treffen sich Strukturen zu hinreißend strenger Romantik. Nur vom Stift genäht sind diese Blätter ohne einen Faden am Leib. (Atelier über Galerie Fruehsorge, Heidestr. 46–52, bis 5. Februar, Preise: 800–12 000 Euro)

Auch für Anna Krenz und Jacek Slaski steht Bewegung an. Nach einer kleinen Auszeit setzen sie ihre thematisch konzentrierte Galeriearbeit fort. Die Plattform Zero-projects arbeitet seit 2003 interdisziplinär zwischen Kunst, Musik und Kommunikation und gibt im kleinen, professionellen Format Einblick in Brennpunkte der polnischen Kunstszene. Die aktuelle Ausstellung Der Papst und ich in der Galerie Zero zeigt Ölbilder. Eine Reihe kleinformatiger Arbeiten von Spunk Seipel. Was ihn wohl daran faszinierte, Johannes Paul II. immer wieder als Motiv beim Händeschütteln zu gestalten? Es ging ihm natürlich weniger darum, dass Karol Wojtyla als erster Nichtitaliener seit 1523 zum Papst gewählt wurde, als um sein mediales Bild. Er malte den jungen, demagogischen ebenso wie den alten, todkranken Mann. Wer wissen will, zu welchem Ergebnis Seipel bei seinem Eigenversuch mit gemalter Fragestellung kommt, sollte sich zum Blitzbesuch aufraffen. Es ist die Zeit der schnellen Wechsel. Jetzt oder nie (Eröffnung: 29. Januar, 20 Uhr, Köpenicker Str. 4, bis 6. Februar).

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