KUNST Stücke : Was dich anschaut

Julia Brodauf

Die Galerie VeneKlasen/Werner ist derzeit dicht bevölkert. Männer und Frauen schauen geduldig von den Wänden, einige haben die Kleidung abgelegt, die allgemeine Stimmung ist ernsthaft. Als seien sie sich des Blickes bewusst, der forschend auf ihnen liegt. Und bereit, über das Zurschaustellen ihres Gesichts oder Körpers auch etwas über die Person zu verraten. Der schottische Maler Peter Doig und der Schriftsteller und Kritiker Hilton Als als Kuratoren der Ausstellung Self-Consciousness (Rudi-Dutschke-Str. 26, bis 26. Juni) nehmen den Besucher mit auf einen reichen Spaziergang: Er führt entlang der Kunst des Porträtierens durch das 20. Jahrhundert über diverse Kontinente – das Ziel liegt im heute.

Dabei sind einige der Dargestellten sehr betagt und normalerweise im Museum zu Hause: Giorgio de Chirico und Hans von Marées haben sich selbst porträtiert. Weniger prominent, aber ebenso sehenswert sind die sorgfältigen Porträts des französischen Malers und späteren Designers Christian Bérard oder des russischen Surrealisten Pavel Tchelitchev. Von Markus Lüpertz hängt ein früher, erstaunlich zarter Mann. Von Bob Thompson, einem jung verstorbenen US-Expressionisten, sind zwei poetische Bilder zu sehen, die realistischen Werke der ebenfalls amerikanischen Porträtmalerin Alice Neel stellen in ihrer Fokussiertheit einen direkten Gegenpol dar. Im letzten Raum spricht jemand darüber, wie ein neuer Name die eigene Persönlichkeit verändert. Das Filmporträt „Jason“ von Shirley Clarke über eine männliche Prostituierte ist Teil des zur Ausstellung gehörenden Videoprogramms. Ein Schwerpunkt liegt auf den Werken Boscoe Holders - Choreograph und Tänzer aus Trinidad, als Maler expressiver Autodidakt. Die unbekümmerten Aktporträts mischen den Klang ruhiger Heiterkeit und Natürlichkeit in die Ausstellung. Mit dem naiven Embah und der psychologisierenden Roberta Stoddart holte Doig zwei weitere Maler seiner Wahlheimat mit in die Auswahl. Er selbst tritt in zwei Doppelporträts gemeinsam mit Chris Ofili auf. Malerische Ausflüge gibt es unter anderem auch nach Großbritannien, Ägypten, Haiti oder Südafrika.

Die Bilder sind wie ein Film gehängt: Ein jedes scheint im thematischen oder formalen Zusammenhang mit dem Nachbarn, ein Bewegungsablauf ist spürbar. Es ist folgerichtig und teilweise erfrischend, dass Doig eine Reihe seiner Studenten an der Kunstakademie Düsseldorf mit in die Ausstellung aufnimmt - eine logische Fortsetzung dieses subjektiven Fundus’. Gleichzeitig sind nicht alle diese Bilder der Herausforderung gewachsen. Während die meisten Arbeiten der etablierteren Künstler aus Privatbesitz oder Museen entliehen sind, können die Werke der Studenten (1500-6000 Euro) gekauft werden.

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