Kunst & Markt : Schwebstoff

„Der Totale Horror“ heißt die Ausstellung von Klara Hobza in der Galerie Soy Capitán. Die Arbeiten dokumentieren eine erste Etappe ihres Langzeitprojekts „Diving Through Europe“ - und zeigen auch die gefährlichen Seiten der Kunst.

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Wasserzeit. „Nieuwe Maas“ heißt die Arbeit von Hobza (2013). Foto: Soy Capitán
Wasserzeit. „Nieuwe Maas“ heißt die Arbeit von Hobza (2013). Foto: Soy Capitán

Der Titel ist Verheißung, man ahnt Schreckliches. „Der Totale Horror“ heißt die Ausstellung von Klara Hobza in der Galerie Soy Capitán. Vor wenigen Wochen erst ist Galeristin Heike Tosun von Neukölln nach Kreuzberg gezogen. Zusammen mit Sebastian Klemm und Silvia Bonsiepe von der Galerie Klemm´s, die nun Wand an Wand mit Soy Capitán in den Prinzessinnenhöfen residiert. Nah genug an St. Agnes, um im nächsten Jahr davon zu profitieren, wenn die ehemalige Kirche zum ständigen Kunstquartier und damit zur Attraktion weit über Berlin hinaus wird.

Ein Besuch von Klemm und Tosun lohnt allerdings schon jetzt. Klara Hobza stellt in der abgedunkelten Galerie Soy Capitán einen Text, zwei fotografische Arbeiten und ein Video aus. „I swam and swam I don’t even think that I had time to breathe“, wirft der Projektor an die Wand. Eines der beiden Fotos zeigt ein weit entferntes Containerschiff. Das andere einen Kompass in schlammig grünem Wasser. Die Atmosphäre ähnelt der Szenerie im Video. Hinzu kommen Unterwassergeräusche, die Klaus Janek verarbeitet hat.

Die Arbeiten dokumentieren eine erste Etappe von Klara Hobzas Langzeitprojekt „Diving Through Europe“. Vor drei Jahren hat die deutsch-tschechische Künstlerin beschlossen, Europa von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer tauchend zu durchqueren. In ihrer Biografie, die sie vorausschauend aus dem Jahr 2066 verfasst hat, erklärt die Künstlerin vermeintlich retrospektiv, dass sie zwischen 2032 und 2040 angekommen sei. Am siebten Tag ihres Tauchtrips aber – der Horror, auf den auch der Ausstellungstitel sich bezieht: Beim Versuch von der Nordsee in den Rhein zu gelangen, wird die 38-Jährige beinahe von einem Containerschiff erfasst. Und muss um ihr Leben schwimmen: ein Trauma.

Was zunächst wie eine waghalsige, fast komische Idee wirkt, gehört zu ihrem künstlerischen Konzept, mit dem sie das vermeintlich Normale infrage stellt. Klara Hobza will mit „Diving Through Europe“ keineswegs ein realistisches Ziel möglichst reibungslos erreichen, sondern das scheinbar Unmögliche herausfordern. Dadurch wird das Erlebte zur Kunst. Übersetzt in Fotografie, Film und Sound wird daraus eine Mischung aus Ironie, Common-Sense-Kritik und Ernsthaftigkeit. Nicht von ungefähr sind Hobzas Arbeiten zeitgleich in der Gruppenausstellung „Ökonomien der Abweichung“ in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (bis 2. 6.) zu sehen, die sich mit alternativen künstlerischen Strategien beschäftigt.

Galerie Soy Capitán, Prinzessinnenstr. 29; bis 8. 6., Mi bis Sa 12–18 Uhr

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