Kunst & Markt : Zahltag. Die Sammlung Haupt

Eine Flasche Cola für 1,49 Mark. Drei Brötchen. Obst. Eine Tasche. Gesamtwert 9,01 Mark. Für seine Arbeit "Lebensmittelrechnung" sammelte der Künstler Thorsten Goldberg all seine Kassenbons. Belege seines täglichen Bedarfs. Die Gesamtsumme gibt den Verkaufspreis an. Ein Wert, der nicht fiktiv verhandelt wurde, sondern sich an dem orientiert, was der Künstler für sein Täglichbrot braucht. Die Frage, wie sich Kunst bemessen lässt, nimmt Goldberg wörtlich.

Ganz ähnlich sieht es Stephan Haupt in seiner Publikation "Dreißig Silberlinge - Kunst und Geld". Das Buch gewährt Einblick in die Sammlung des Berliner Rechtsanwalts, und immer ist das Geld der Protagonist: Scheine, Münzen, Dollar. Schwarzgeld. Zerschnitten, zu Origamis gefaltet, als Börsenkurs in die Landschaft transkribiert oder per Röntgenstrahl durchleuchtet. Auf unterschiedlichste Weise beginnt das Geld zu sprechen. "Dreißig Silberlinge" gilt als größte Sammlung internationaler Geldkunst: Sie umfasst fast 200 Werke von mehr als 100 Künstlern, darunter Joseph Beuys, Anton Stankowski, Lawrence Weiner, Klaus Staeck oder Rikrit Tiravanija.

"Dreißig Silberlinge" ist eine Reflexion darüber, wie die fiktionale Größe des Geldes Welt und Gesellschaft organisiert. Dabei wird sichtbar, wie die Kunst selbst als Marktplatz fungiert. Ein Thema, das in Zeiten von Euro- und Wirtschaftskrise sowie nach den jüngsten Rekordverkäufen der Bilder von Francis Bacon oder Andy Warhol noch etwas aktueller als immer schon geworden ist. hom

"Sammlung Haupt. Dreißig Silberlinge - Kunst und Geld", Braus Verlag, 208 Seiten, 24,95 Euro

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