Kunst zum Klappen : König mit Strohhut

Silke Vry zerschneidet berühmte Porträts der Kunstgeschichte und lädt Kinder dazu ein, neue lustige Figuren zu klappen.

von
Kunst neu kombiniert. Foto: Boje Verlag
Kunst neu kombiniert.Foto: Boje Verlag

Mit „Witzbildern“ kann man sich herrlich die Zeit vertreiben, zum Beispiel auf Kindergeburtstagen: Jeder zeichnet auf ein Stück Papier einen lustigen Kopf, dann wird das Blatt umgeknickt und an den Nächsten in der Runde weitergereicht. Der malt den Oberkörper – vielleicht Mensch, Roboter oder Elefant? Dann wieder umknicken und weitergeben für die Beine. Ein letztes Mal geht das Blatt herum: Nun schreibt jeder einen Namen unter das Wesen, faltet das Blatt auf und präsentiert es den anderen.

Ganz ähnlich funktioniert das schöne, aus festem Karton gefertigte Klappbuch „Der Dreh mit dem Porträt“ von Silke Vry – nur dass hier keine Kritzelfiguren miteinander kombiniert werden, sondern zwölf Porträt-Kunstwerke berühmter Maler. Die Gesichter sind dreigeteilt, sodass jeweils Stirn und Augen, Nase und Mund sowie Hals und Oberkörper einzeln umgeblättert und zu neuen, verrückten Porträts zusammengestellt werden können.

Da sitzen dann die ernsten Augen von Frida Kahlo über den rosigen, runden Wangen Margarete von Lothringens, auf die Leinwand gebracht von Anthonis van Dyck. Welcher Oberkörper passt besser zu der neuen Dame? König Ludwig XV. in seiner schimmernden Rüstung oder die blauen Hände und kugelrunden Brüste von Marie-Thérèse, der Frau von Pablo Picasso?

Alle Porträtierten tragen Namen wie „Querdenker“, „Tausendschön“ oder „Dreikäsehoch“, die auf den linken Buchseiten stehen. Durch das Mischen der Bildausschnitte werden auch sie zerlegt und neu gemixt. Aus welchen Gesichtern sich wohl der „Querkäseschön“ zusammensetzt? Nachlesen können Kinder und Eltern das im Anhang, der kurze Texte zu allen Bildern und ihren Schöpfern enthält, die auch von der Geschichte der Porträtmalerei berichten.

Wer jetzt wissen will, wie Omas Nickelbrille auf Papas Knubbelnase aussehen würde und ob beides zum eigenen, coolen Ringelshirt passt, bekommt zusätzlich eine Bastelanleitung für das persönliche „Porträt-Dreh-Buch“. Anders als das kurzweilige Original, in dem man wunderbar wild herumblättern kann, klingt das nach ein bisschen Arbeit, bei der auf jeden Fall ein Erwachsener helfen sollte. Wer erst einmal auf den Dreh mit dem Porträt gekommen ist, wird es aber unbedingt ausprobieren wollen. Silke Zorn

– Silke Vry: Der Dreh mit dem Porträt. Bastei Lübbe (Boje), Köln 2014. Gebunden, 40 Seiten, 12,99 Euro. Ab acht Jahren.

Weitere Rezensionen finden Sie auf unserer Themenseite.

0 Kommentare

Neuester Kommentar