Kunsthandel : Kiesel und Kohle

Eine seltene Offerte: Bilder von Jean Dubuffet stehen bei Wolfgang Werner in Berlin zum Verkauf.

Matthias Reichelt

Von Jean Dubuffet (1901-1985) kommen nur selten Bilder in den Kunsthandel, der größte Teil des Werkes ist fest in Sammlungen verankert. Dass nun Gemälde (ab 365 000 Euro) aus den vierziger und fünfziger Jahren, immerhin der wichtigsten Schaffensphase des Künstlers, bei Wolfgang Werner in Berlin zum Verkauf stehen, ist deshalb eine kleine Sensation. Ob als Folge der Krise, bleibt Spekulation, die Galerie lässt bloß wissen, dass es sich um Werke aus Privatbesitz handelt.

Dubuffet hat der Kunst des 20. Jahrhunderts seinen Stempel aufgedrückt und die Kunstgeschichte zugleich um den Begriff der Art Brut bereichert. Schon früh war er skeptisch der traditionellen Kunst gegenüber. Die Biografie des in einer großbürgerlichen Familie in Le Havre Geborenen verzeichnet drei Zäsuren. Zuerst brach Dubuffet nach kurzer Zeit den Besuch der Kunstakademie ab. Nach der Lektüre von Prinzhorns Buch über die Bildnerei von Geisteskranken (1922) sah er fortan in der rohen, unangepassten Kunst von Außenseitern und sogenannten Primitiven eine erstrebenswerte Qualität. Dort erkannte er einen durch Kultur und Bildung noch nicht verstellten und deshalb authentischeren Zugang zu Natur und Wirklichkeit. Als Konsequenz vernichtete Dubuffet seine eigenen Bilder und begann erst ein Jahrzehnt später wieder mit jener Malerei, die ihn berühmt machen sollte.

Sein Umgang mit dem Material, eine intuitive und auf den ersten Blick kindlich wirkende Linienführung lassen die Bilder changieren. Von pastosem Farbauftrag über partielles Collagieren, der Frottage sowie der Verwendung von dickflüssiger Leimfarbe, der er mit dem Spachtel zusetzte: Seine Arbeiten sind von einem intensiven handwerklichen Prozess geprägt. Dubuffets Neugier ging so weit, dass er auch Zement, Teer, Kohle, Kieselsteine und zerriebenes Glas verwendete. Auch damit verließ er den Rahmen der Malerei. In einigen bei Werner ausgestellten Werken sind gleichermaßen Natur wie die von Menschen geprägten Landschaften zu erkennen. In anderen Bildern dagegen ist unsere unmittelbare Wirklichkeit unscheinbar klein und im Universum verschwunden.

Kunsthandel Wolfgang Werner, Fasanenstr. 72; bis 9.7., Mo - Fr 10 - 18.30 Uhr, Sa 10 - 14 Uhr.

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