Kultur : Kuscheln im Knast

ghl

Das britische Kino - so wird bei uns oft neidvoll bemerkt - kennt noch etwas, das in Deutschland nur selten zum Vorschein kommt: den Schulterschluss mit der Arbeiterklasse. Während deutsche Lustspiele sich vorwiegend um die Sorgen gut gecremter Singles kümmern, schöpfen die Briten aus dem prallen Leben - besonders dort, wo es nicht so schick zugeht. Ja, die Armut bietet ihnen sogar Stoff für erfolgreiche Komödien. Als Paradebeispiel dafür dient immer wieder Peter Cattaneos "Ganz oder gar nicht", der 1997 eine Gruppe arbeitsloser Stahlarbeiter zu Hobby-Strippern werden ließ. Die Handlung war mehr als nur ein Feigenblatt, doch nicht so problembeladen, dass man ihretwegen gleich den Blues bekam. Klassenbewusstsein light. Eine Art getanztes Godesberger Programm mit sexy Anhängsel. Für seinen zweiten Kinofilm nun hat sich Cattaneo in den Strafvollzug begeben, um dort ein Standard-Thema durchzudeklinieren: den Ausbruch und seine Vorbereitung.

Jimmy (James Nesbitt) und Rudy (Lennie James), zwei glücklose Bankräuber, dürfen für paar Jahre einfahren. Doch der Knast entpuppt sich als Heimstatt der Musen: Der Direktor möchte, gegen den Widerstand seines autoritären Personals, ein selbstverfasstes Musical zur Aufführung bringen - was den Insassen aparte Fluchtperspektiven eröffnet. Doch Jimmy verguckt sich in die knopfäugige Gefängnis-Psychologin (Olivia Williams). So zockelt "Lucky Break" trotz seines hervorragenden Personals (Timothy Spall, Christopher Plummer) eher gemächlich dahin. Natürlich werden in diesem Kuschel-Knast auch die härtesten Jungs weich. Merke: Von der Sozialromantik zum Kitsch ist es nur ein kleiner Schritt.

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